• Tackle Review: Major Craft Big Lake Custom Series

    Major Craft Volkey Big Lake Custom VKS-70M/BL

    Als ich zum Anfang der Raubfischsaison in diesem Jahr auf einen Rutencontainer aus Japan wartete, konnte ich es kaum erwarten, dass endlich die Post vor der Tür stehen würde. Zwar ist dies eigentlich immer so wenn ich mir etwas bestellt habe, aber in diesem speziellen Fall war die Neugierde besonders groß. Gleich zwei Ruten aus dem Major Craft Container für SWAT Fishing sollten sich nach der Ankunft im Lager auf den Weg zu mir machen: Zum einen eine leichte Spinnrute für Miniköder, die Corzza, und zum anderen eine Rute aus der Volkey Serie. Auf Diese war ich besonders gespannt… Die Volkey Serie sollte den meisten JDM-Fans ein Begriff sein und genießt vor allem bei Freunden des Baitfinesse (UL Baitcasten) ein hohes Ansehen. Nur wollte ich weder Baitcasten, noch UL-Fischen. Stattdessen hoffte ich in meiner Volkey eine neue Jigge für Barsch- und leichtes Zanderangeln zu finden.  Ausgewählt hatte ich das Modell, nachdem ich SWAT-Buddy Andreas meine Vorstellung von der eierlegenden Wollmilchsau für die Elbe und Barschseen geschildert hatte, die nicht viele Optionen offen ließen. Jigs von 5-12g, Softbaits von 2-4“, leichte Crank, Twitch-, Topwater- und Spybaits in einer Rute zu vereinen ist sicherlich schwierig. Dazu war noch eine Länge von über 2m, für weite Würfe und angenehmes Jiggen, und eine angenehme Transportlänge gefordert. Ein weiterer Gegensatz bestand in der geforderten Stärke der Rute. Zum einen benötigte ich eine Rute, die extrem sensibel auch bei leichten Ködern ist und jeden Biss und Anfasser sauber überträgt, zum anderen sollte diese aber schnell, straff und stark genug sein, auch bei Zandern auf größere Distanz einen Jighaken sauber zu setzen. Nicht viele Ruten können all dies wirklich gut unter einen Hut bringen, ohne dabei ein Allroundstock zu sein, der zwar alles ein Bisschen, aber nichts richtig kann. Andi hatte aber schnell einen einzigen, aber entschlossenen Vorschlag für mich: Die 70M aus der Big Lake Custom Sonderedition!

    Die Big Lake Custom Serie kannte ich bis dato vor allem in Form der Volkey BL „Frog Tune“, einer besonders kräftigen Castingrute, speziell für Topwaterfrogs, die in Japan für dicke Bass im Heavy Cover (Seerosen, Totholz, Algenfelder, Krautteppiche) entwickelt wurde, hierzulande aber eine wunderbare Hechtrute abgibt. Schon die gefiel mir beim letzten Begrabbeln auf der BOOT Düsseldorf sehr gut. Ich war also schnell überzeugt.   

     

    Der erste Eindruck

     Schon beim Auspacken der Ruten fielen mir die im Lieferumfang enthaltenen Futterale auf. Im Fall der Volkey ist dies ein blaues Kunststofffutteral mit seperaten Fächern für Blank und Handle. Aus dem Transportschutz befreit fiel sofort die in meinen Augen sehr gelungene Optik der Rute auf. Die Übergänge von Duplon zum Kork, sowie die Schnittstellen des Griffs mit dem Rollenhalter sind alle gut verarbeitet, keine schiefen Übergänge oder überstehenden Grate trüben das Bild. Das Offsethandle lässt sich ohne Probleme mit dem Blank verbinden und hat im zusammengesetzten Zustand keinerlei Spiel, der Blank sitzt bombenfest im Griff. Bei meiner Rute stehen alle Ringe sauber in einer Flucht und auch der Blank ist kerzengerade, wie man es bei einem Modell dieser Preisklasse auch erwarten dürfte und sollte. Auffällig ist beim Blank vor allem die Dicke. Kurz vor dem Griff weißt der Blank der Rute einen deutlich höheren Durchmesser auf, als vergleichbar angegebene Ruten auf dem Markt, dazu später mehr.

    Rutendaten:
     Major Craft Volkey 70M/BL
    Länge: 7´0“ / 2,13m
    LW/WG: 3/16-1/2Oz / 5-15g
    Action/Taper: Fast
    Schnurempfehlung: 6-12lb

     

    Testdisziplin Jiggen 

    Getestet wurde die Rute zunächst an der Elbe. Beim Einsatz im Hafen sollte die Volkey zeigen, ob sie den Anforderungen gerecht wird, die ich an eine Jigge stelle. Mit leichten Jigs von 5-7g und kleinen Fat Swing Impacts bewaffnet wurden Barsch & Zander angepeilt. Dabei zeigte sich schnell, dass die Rute mit 7g + Trailer nicht nur prima klar kommt, sondern auch noch reichlich Luft nach oben bietet, ohne dabei überlastet zu wirken.
    Inzwischen hat sich nach ausgiebigem Fischen mit der Volkey Das Spektrum von 5-10g Jigs mit Ködern von durchschnittlich 4“ als optimal erwiesen. Der Keitech Easy Shiner am 7g Jig ist zum Beispiel absolut perfekt fischbar, wenn die Strömung mehr Kopfgewicht am Köder erfordert, gehen auch 10-12g noch recht gut.



    Der Blank arbeitet beim Jiggen sehr schön, jede Jigbewegung wird direkt auf den Köder übertragen und durch die fein ausgeprägte Spitzenaktion überträgt sich dabei gleichzeitig jedes Aufsetzen des Jigs ebenso gut auf das Handteil wie Bisse von verhaltenem Anstupsen bis zum Volley-Einstieg. In solchen Fällen zeigte sich beim Fischen die Stärke der Volkey: Sobald man einen Biss spürt kann man blitzschnell anschlagen und sich sicher sein, dass das starke Backbone der Rute Jighaken auch auf voller Wurfdistanz absolut zuverlässig im Fischmaul verankert!

    So konnten dank grandioser Übertragung in Kombination mit der Power bisher schon etliche schöne Fische mit der Volkey gelandet werden, egal ob Barsch, Zander, Rapfen oder Butt! Richtig gelesen: Vor kurzem fing ich beim Jiggen auf Barsch in der Elbe wieder einmal einen schönen Butt, der sich einen kleinen Shad schmecken ließ. Natürlich ist eine Flunder dieser Größe kein ernst zu nehmender Gegner für einen Blank, der von Haus aus für die kampfstarken Schwarzbarsche des Lake Biwa in Japan gedacht ist, dennoch bereiten auch Fische der Durchschnittsgröße meiner Gewässer mir im Drill Spaß am Japan-Jigstock. Allerdings hatte ich es an der Volkey nicht nur mit lütten Plattfischen zu tun, aber auch Zander bereiten im Drill keine Probleme. Fische bis Mitte sechzig machen Spaß, sind aber stets sicher zu kontrollieren und auch bei großen Zandern habe ich keine Bedenken, dass die Rute zu schwach ist, um im Drill die Oberhand zu behalten. Für eine „Barsch-Jigge“ macht die Major Craft Rute einen außergewöhnlich kräftigen Eindruck, der etwas dickere Blank ist also durchaus berechtigt! Bei vielen leichten, feinfühligen und eigentlich recht schönen Ruten trübte für mich in der Vergangenheit nämlich oft genau die Blankdicke, bzw. ein damit verbundener Faktor das Bild: Um Gewicht einzusparen oder einfach zu Gunsten der filigranen Optik, oft fehlte den leichten Zuppelruten einfach der Bumms, um einen Jighaken auf Entfernung vernünftig zu setzen. Bei der VKS-70 M/BL  wurden hier keine Kompromisse gemacht, der Blank ist stark, man sieht das und traut sich somit auch, voll anzuschlagen, was nicht selten über „Sieg oder Niederlage“ entscheidet!


    Auch für Hartes geeignet!
    Die zweite relevante Testdisziplin sollte das Rapfenangeln sein, schließlich war die Volkey 70M/BL von Anfang an als Elbe-Allrounder gedacht. Aus Rapfenangeln als Testdisziplin wurde schnell der Mix aus Zanderangeln und Rapfenangeln, allerdings beides mit schlanken Hardbaits verschiedener Größen. Um es kurz zu machen: Bei beiden Angelarten, bzw. Zielfischen bewährte sich die Rute!

    Schon beim ersten Einsatz auf Zander mit Duo Realis Spinbait, Vib und Rozante konnte ich mehrere schöne Fische landen und war dank des angenehmen Handles und der Länge von 2,13 sowohl in der Lage weit entfernt stehende Fische zu erreichen, als auch meinen Köder präzise vor der Steinpackung abzusetzen um ihn im flachen Wasser zu präsentieren. Auch beim Rapfenangeln war ich so in der Lage, meine raubenden Zielfische quasi direkt zu verfolgen, egal ob sie am Ufer Kleinfische zwischen die Steine trieben oder weit entfernt die Oberfläche aufschäumten, bisher habe ich dank des schnellen Blanks oft genug meinen Köder blitzschnell in die Strike-Zone katapultieren können! Leider hatte ich bei diesen Fischen recht oft Aussteiger im Drill, eine optimale Jigrute kann eben nicht wirklich perfekt fürs Hardbaitfischen sein, dennoch würde ich sie nicht als ungeeignet für Rapfen klassifizieren. Die meisten Aussteiger hatte ich in Bereichen zu verzeichnen, in denen ich große Fische im Drill von Hindernissen fern halten musste, dabei fehlt bei einer Jigrute einfach die Pufferwirkung, um das Ausschlitzen kleiner Drillinge im weichen Rapfenmaul zu verhindern. Im offenen Wasser anderer Elbabschnitte hatte ich weniger Probleme damit und konnte so einige schöne Rapfen problemlos landen! Als Rapfenrute funktioniert die Volkey also ebenfalls, auch wenn ich bei der Wahl einer Rute speziell für die weißen Torpedos eher zu einer parabolischeren Rute greifen würde, z.B. einer MC Crosstage.

    Fazit:
    Mit Jiggen in Perfektion, Zanderwobbeln und Rapfenburnen eignet sich die Volkey 70M/BL zu meinem Glück sehr gut für das angedachte Spektrum, trotz der schwierigen Anforderungen, die ich im Vorfeld an das Gerät  gestellt hatte. Einzig beim Topwaterfischen konnte die Volkey noch keinem speziellen Eignungstest unterziehen, was allerdings nicht der Rute geschuldet ist, ich habe in diesem Jahr einfach wenig bis gar keine Gelegenheit gehabt, effektiv und erfolgreich mit Stickbait, popper und Co. zu fischen… Eventuell wird es zu diesem Thema noch einen Nachtrag geben, womit aber nicht vor der Saison 2015 zu rechnen ist… Eine Übersicht über die volle Range der BigLakeCustim Series bekommt Ihr hier.






    Die Länge entspricht genau dem, was ich mir für eine Barschjigge vorstelle, hier wurde ein perfekter Kompromiss zwischen Wurfweite und Handling gefunden, der mich in meiner Fischerei positiv unterstützt.
    Das Jiggen fällt dank guter Balance und einem angenehm griffigen Handteil sehr leicht und jeder Biss, Anhieb und Drill sind eine Freude.
    Insgesamt bin ich absolut zufrieden, bzw. begeistert von meiner Volkey, die sich recht schnell zu meiner Lieblingsrute mauserte und mich inzwischen auf dem Großteil meiner Angelausflüge begleitet. Wer mich also am Wasser antrifft und zufällig gerade mit dem Gedanken spielt, seiner Barschangelei ein Update zu gönnen, darf gerne mal testfischen, ich kann es nur empfehlen!

    Euer Eric

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