Norwegen August 2011 – Köhlerklatschen und Lumbenpumpen

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Norwegen August 2011 – Köhlerklatschen und Lumbenpumpen

Norwegen August 2011 – Köhlerklatschen und Lumbenpumpen

Es ist vier Uhr morgens, beim Verlassen des mollig warmen Autos schlägt uns sofort eine eisige, vom Meer kommenden Brise, entgegen.

Hektisch werden die Jacken aus dem überquellenden Kofferraum gekruscht, denn die flach stehende Sonne, die von Zeit zu Zeit aus der dichten Wolkendecke hervorlugt, wärmt nicht im Geringsten. Dennoch, die Luft ist herrlich rein und riecht angenehm salzig. Die Möwen begrüßen uns mit ihren typischen Klageliedern über die immer schlechter werdenden Fischbestände der Weltmeere. Erst das Berühren der merkwürdig glänzenden Oberfläche der Blätter der uns umgebenden Krüppelbirken, bringt mich zurück ins Bewusstsein. Raureif, es ist wirklich erbärmlich kalt diesen Morgen. Wir befinden uns mittlerweile endlich, nach einer schier ewig währenden Autofahrt, kurz vor unserem Ziel auf der Insel Senja.

Sonnenuntergang

Die Anreise lief weitestgehend problemlos und der kurze Zwischenstopp bei einem Freund in Stockholm, hatte etwas Abwechslung in das eintönige „Kilometergeschrubbe“ gebracht. Da wir erst gegen 14 Uhr unser Ferienhaus beziehen durften, hatten wir beschlossen einige Kilometer entfernt auf einem Rastplatz direkt am Meer unser Zelt aufzubauen und uns von den Reisestrapazen zu erholen, um direkt nach dem Einzug in unser neues Domizil fischen gehen zu können. Etwas verfrüht schlugen wir dann schließlich vor unserem Ferienhaus auf und wurden von unserem Gastsgeber begrüßt. Da das Haus gerade noch gereinigt wurde, luden wir zuerst das Auto teilweise aus und bauten schon mal das Angelgerät zusammen. Anschließend zeigte uns unser Gastgeber das Boot, welches 19 Fuß lang und mit einem 50 PS viertakter Yamaha Motor versehen ist.

Den Blick um 180° geschwenkt

Das schon mal vorweg, wir hatten in Norwegen bisher noch nie so ein gutes Boot mit einem derart gut laufenden und sparsamen Motor. In unserer gesamten Aufenthaltszeit sprang der Motor immer beim ersten Mal an und machte nie auch nur einen Mucks, zudem war er angenehm leise. Hier machte sich deutlich bemerkbar, dass unser Vermieter Bootsbauer von Beruf ist und regelmäßige Wartungen durchführt. Wie fatal ein schlecht gewarteter Motor vor Norwegens Küste sein kann, mussten wir in einem unserer vorangegangenen Urlaube schmerzlich erfahren. Dort fiel der Motor zwei Mal komplett aus. Beim ersten Mal konnten wir uns mit Hilfe der beigelegten Ruder auf eine Insel mit mehr Stechmücken als Grashalmen retten, wo wir mehrere Stunden festsaßen, bis wir endlich abgeschleppt wurden. Beim zweiten Mal mussten wir einige Stunden bei rauer See in den Hafen zurückrudern.

Maximalgröße im Flachwasser

Das Haus konnte ebenfalls mit allem aufwarten was man in einem Angelurlaub so braucht und verfügte als kleines Schmankerl über einen genialen Gasgrill. Angenehm war außerdem, dass jeder sein eigenes Schlafzimmer hatte. So konnten auch die Freunde der nächtlichen Baumfällarbeiten ohne Störung ihrem Hobby frönen. Nachdem alles entsprechend im Haus verräumt war, wurde das Boot geentert und wir stachen in See. Kaum waren wir aus dem Hafen draußen zwang uns das aufgewühlte Meer in den Sitz und Gischt spritzte uns ins Gesicht. Verrückt, aber jetzt fühlte ich mich erst richtig angekommen, Norwegen wie es leibt und lebt. Der erste Tag ist ansonsten relativ schnell zusammengefasst, wir fuhren etwas planlos durch die Gegend, fischten mal hier und mal dort und erkundeten etwas die Gegend. Jeder fing seine Fische, allerdings waren diese eher durchschnittlicher Größen. Dennoch fuhren wir zufrieden zurück in den Hafen und freuten uns schon auf das, aus den frisch gefangenen Flossenträgern bestehende, Abendessen. Anschließend fielen wir hundemüde in die Kojen.

Die Seelachse waren gefunden

Am zweiten Tag wurde zuerst ein Mal die Tiefenkarte studiert, GPS-Points wurden gecheckt, ein Plan wurde ausgeheckt und dann erst ging es ab aufs Meer. Das Angeln mit leichterem Gerät im Flachwasser bis 40 m Tiefe brachte neben einigen Dorschen bis 80 cm, auch zwei kleine Heilbutts um die 60 cm, die den 4,5er Shaker am 50 g Kopf zum Fressen gern hatten. Für diese Angelei hatte ich dieses Jahr meine Evergreen Balista mit einer Abu Revo Toro 51 HS dabei. Das Gespann machte sich wirklich gut, die Bisse kamen brachial im Handgelenk an, die Haken konnten super gesetzt werden und die Rute puffert schön die Kopfschläge der gehakten Flossenträger ab.

Dreifachdrills kamen des öfteren vor

Nach einer Weile beendeten wir die Spielerei im Flachwasser und beharkten einen Unterwasserberg, der von tiefem Wasser umgeben war. Hier fingen wir einige gute Lumbs. Diese sollten uns auch den ganzen Urlaub treu bleiben, denn egal was man versenkte, sobald das Echolot mehr als 100 m Tiefe anzeigte biss fast immer unmittelbar ein Lumb. An sich kein besonderer Grund zur Freude und eher lästig, da sich diese Fischart an der Angel wie ein nasser Sack verhält, allerdings waren die Lumbs in diesem Revier nahezu nicht mit den sonst so häufigen Nematoden befallen und bereicherten den Speiseplan mit ihrem besonders schmackhaften Filet.

War der Schwarm gefunden, kam man kaum zum Pinkeln

Am Ende des Tages fanden wir dann endlich die Fische, für welche wir gekommen waren, große Seelachse. Diese Flossenträger jagen in Schwärmen kleinen Fischen und Quallen im Freiwasser hinterher und veranstalten eine Mordsgaudi an der Rute. Die Seelachse standen in diesem Revier über 200-400 m tiefem Wasser auf 30-100 m Tiefe. Die Köder, egal ob Gummis oder Pilker, mussten also auf etwa 100 m Tiefe abgelassen werden und dann wieder in einem Affenzahn hochgekurbelt werden. Die Bisse kamen sowohl in der Absinkphase, wie auch beim Hochkurbeln. Danach ging dann die Post ab und der Fisch riss erst ein Mal jede Menge Schnur von der Rolle. Mit der ersten Flucht hatten die Jungs und Mädels allerdings meist schon ihr Pulver verschossen und es begann die mühselige Pumparbeit. Doppel- und Dreifachdrills waren eher die Regel als die Ausnahme, wenn der Schwarm erst ein Mal lokalisiert war, was meist auf Grund der beengten Verhältnisse zu einem heillosen Durcheinander und Schnursalat führte. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass wir nach diesem Urlaub so einigen Omas beim Häkeln den Schneid abkaufen würden.

Am späten Abend nahm die Beißerei auch kein Ende

Das verwendete Tackle wurde von Tag zu Tag immer leichter, sodass ich zum Schluss bei meiner Deps Edge Master gepaart mit einer alten 2500er Twin Power bespult mit exakt 100 m Geflecht gelandet bin. Das brachte neben enormem Drillspaß auch einen gewissen Nervenkitzel mit sich, denn des öfteren wurden die Schnurreserven bis aufs Äußerste ausgereizt. Ganz besonders bei einem der letzten Seelachse des Urlaubs. Der Biss kam auf ca. 30 m Tiefe und die typische Flucht begann. Als der „Flüchtling“ nicht langsamer werden wollte, war mir klar was die Stunde geschlagen hatte und ich drehte die Bremse auf die maximale Belastungsgrenze der Schnur zu. Der Fisch wurde aber nach wie vor nicht langsamer, so drückte ich zur weiteren Maximierung der Bremskraft vorsichtig meine Hand an die Spule. Das hatte nun zur Folge, dass die Edge bis ins Handteil gekrümmt war, schon fast glatt gezogen und das bei einer extra-fast taper Rute. Als dann noch das Schnurlaufröllchen der Twin Power anfing auf der Spulenkante zu schleifen, verfluchte ich mich im Stillen dafür eine Barschrute mit so wenig Schnurreserven in den Pfoten zu halten.

Auch der Steinbeißer steht auf BioEdge

Ich wartete permanent darauf, dass mir irgendetwas um die Ohren fliegen würde und betete inständig, dass es nicht die Edge sein würde. Dann die Überraschung, der Fisch stoppte. Ein kurzer Blick auf die Spule trieb mir den Angstschweiß ins Gesicht, noch zwei Kurbelumdrehungen Schnur fristeten ihr einsames Dasein auf dem Spulenkern. Mir war sofort klar, dass ich dem Fisch keinen Millimeter Leine mehr geben durfte. Das Tauziehen begann und nach einigem Hin und Her konnte ich dem Fisch einige Meter Schnur abringen, die er sich anschließend wieder nahm. Dieses Mal befand sich eine Umdrehung mehr Schnur auf der Rolle und ich witterte meine Chance den schon innerlich aufgegebenen Drill doch noch für mich zu entscheiden. Die Fluchten des Fisches wurden allmählich kürzer und dann schließlich war es geschafft, der Flossenträger gab auf und ich musste ihn nur noch die restlichen 80 Meter nach oben pumpen. Schließlich tauchte ein 111 cm langer Seelachs direkt neben dem Boot auf. Abwechselnd schaute ich auf das Biest und die Rute in meiner Hand, unfassbar! Dann musste ich mich erst ein Mal hinsetzen, der Drill hatte mich wirklich sämtliche Nerven gekostet.

111 cm geballte Seelachspower

Die Seelachse waren im Schnitt etwa einen Meter lang und die Angelei machte wirklich einen Heidenspaß, allerdings drängte sich alsbald ein herbes Problem auf. Sämtliche Fische bis auf drei Ausnahmen konnten nicht released werden, da sie dem Tiefenrausch zum Opfer gefallen waren. Auch den Drill eine halbe Stunde lang hinzuziehen, brachte keine Besserung der Symptome. Also wurde die Angelzeit auf Seelachs jeden Tag stark beschränkt, Norweger ausfindig gemacht, die Interesse an Seelachsfilets hatten, und bewusst Drillaussteiger provoziert. Dazu wurden große widerhakenlose Einzelhaken an die Köder montiert, die nach ein paar Metern Flucht, durch heftiges Rütteln mit der Rute und Lockerlassen der Schnur zum Ausschlitzen gebracht wurden. Das funktionierte wirklich gut und fügte den Fischen keinerlei Schaden zu, allerdings fehlt einem dann doch irgendwie etwas, wenn man den Kontrahenten nie zu Gesicht bekommt.

Dorsch 1 m+

„Zu viel zu fangen“, ein Dilemma mit dem man es bei uns nie oder nur in Ausnahmefällen zu tun bekommt. Es ist schon ziemlich bescheuert, wenn man sich in einem Angelurlaub befindet und alles dafür tun muss um weniger Fische zu fangen. Wir schliefen also jeden Morgen sehr lange aus und unternahmen zudem zwei Ausflüge ins Süßwasser. Zum einen an einen wunderschön gelegenen See, voller noch viel schönerer Saiblinge. Diese waren zwar aufgrund der Höhenlage des Gewässers und der damit verbundenen schlechten Wachstumsbedingungen nur von geringer Größe, zeugten aber von einer unwahrscheinlichen Farbenfroheit. Der andere Trip führte uns an einen noch höher gelegenen Bach, der einem See entsprang. Alleine der Aufstieg zu dem Gewässer, über sonnendurchflutete Wiesen, vorbei an knorrigen, alten Krüppelbirken und jeder Menge Blaubeersträucher, war ein Höhepunkt des Urlaubs. Der Bach hingegen wirkte fast unwirklich, so schön war er in die Landschaft aus schroffen Felsen und moorigen Wiesen, bedeckt mit flutendem Wollgras, eingebettet.

Einer der Saiblinge schaffte es leider nicht

Ein Blick in das Gewässer bestätigte meine Vermutungen, alles voller Bachforellen, vereinzelt fand sich auch einer der farbenfrohen Saiblinge dazwischen. Die Polbrille erlaubte fantastische Eindrücke in das rege Treiben unter Wasser, wir standen oft minutenlang einfach nur da und beobachteten. Kaum zu glauben, aber das dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, wo ich es trotz einer Angel in der Hand vorzog, einfach nur zuzuschauen. Nach einer Weile machte ich dann doch ein paar Würfe in einen Gumpen, der Lure wurde sofort von sämtlichen Forellen verfolgt und attackiert, bis schließlich eine Bachforelle Anfang 30 cm hängen blieb. Ein wunderschöner Fisch, der sofort wieder in sein Element durfte. Danach stellte ich die Angelei ein und beschränkte mich wieder nur aufs Zuschauen. Man fühlte sich irgendwie einfach als ungebetener Störenfried in dieser menschenleeren Gegend. Dieses Erlebnis war ein krasser, aber schöner Kontrast zur Meeresangelei. Es wurde mir wieder vor Augen geführt, dass eben beides seine schönen Seiten hat und manchmal die Größe von Fischen zur absoluten Nebensache verkommt, denn größer als 35 cm war keine der Forellen in diesem Bach.

Wunderschöner Flecken Erde

In den folgenden Meeresangeltagen konnten wir fast alles fangen, was es im Norden Norwegens so zu fangen gibt, meist in mittleren Größen. Neben den allgegenwärtigen Dorschen, Seelachsen und Lumbs, fanden auch Rotbarsche, Schellfische, Steinbeißer und ein Leng den Weg in unser Boot. Mit dem König des Nordmeeres, dem Heilbutt, hatten wir dieses Mal etwas Pech, denn außer den zwei kleinen Platten zu Beginn, ließ sich kein weiterer mehr blicken. Zugegebenermaßen fischten wir auch nicht wirklich gezielt auf Butt, da wir in einem vergangenen Norwegenurlaub genügend Heilbutts gefangen hatten. Der „Große“ fehlt uns allerdings nach wie vor, vielleicht ein Projekt fürs nächste Mal. Alles in allem ein gelungener Urlaub, mit viel Fisch und Natur, jeder Menge Spaß und wenig Erholung, Norwegen eben!




12 Kommentare zu “Norwegen August 2011 – Köhlerklatschen und Lumbenpumpen”

  1. wieodawatt sagt:

    Toller Bericht, Norwegen ist halt (und bleibt hoffentlich noch lange) ein Paradies ! Mit der Edge Master auf Seelachs…Ihr seid verrückt ;-)

  2. Jonas sagt:

    Absolut genialer Bericht und super Fische wieder mal, danke und Petri!

  3. Ronin sagt:

    Sehr schön geschrieben.
    Da bekomme sogar ich Lust auf Norwegen!

  4. panus sagt:

    SEHR GELUNGEN!!!
    Wirklich ein guter Bericht. Petri

  5. Norbert sagt:

    Super Bericht. Ich steh ja nicht auf Meeresangeln, aber jetzt habe ich auch Lust drauf.
    Danke für den guten Lesestoff und Petri zu den genialen Fischen.

  6. Apathy sagt:

    Ganz ehrlich nen Träumchen von Bericht !

  7. hondo sagt:

    Sieht nach einer entspannten Tour in eine andere Welt aus …da muß ich auch einmal ‘hin. Den Kontrast zw. Lieblicher Süsswasserlandschaft und rauhem Meer stelle ich mir interessant vor.

    Klasse, dabei fällt mir wieder ein, daß ich gerade ziemlich urlaubsreif bin.

  8. albrecht sagt:

    5 Sternchen – sehr gut geschrieben, Kompliment!

  9. Fopper sagt:

    Wow !
    Wirklich ein tolle geschriebener Bericht mir tollen Fotos. Respekt und Kompliment !

  10. Schniedel sagt:

    Danke für das Lob Jungs, freut mich wenns gefällt.

  11. Börnie sagt:

    Ein wirklich sehr schöner Bericht mit tollen Bildern! Danke und Petri!

  12. Petermännchen sagt:

    Sauber abgeräumt! Petri!

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