Aller Guten Dinge sind drei
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Aller Guten Dinge sind drei
Ein energisches Klingeln weckt mich unsanft aus meinen Träumen. Im Halbschlaf schlage ich nach der Nervensäge, erwische scheinbar den Urheber des Kraches und bringe ihn zum Schweigen. Schnell döse ich wieder ein.
Die letzten 2 Wochen waren einfach mit zu viel Schlafentzug verbunden gewesen, hatte ich doch immer nur max. 6 Stunden im Bett verbracht und mir eine Nacht sogar komplett um die Ohren geschlagen, um die geforderten Protokolle rechtzeitig fertig zu bekommen. Doch irgendetwas stört die Idylle, mein Unterbewusstsein meldet sich zu Wort, erst sachte dann immer heftiger. Also schaue ich schlaftrunken auf den Wecker, zu Beginn sind die Zahlen noch verschwommen, dann schält sich langsam eine 11 aus dem Nebel. “Was, schon so spät, schießt es mir durch den Kopf.” Sofort bin ich hellwach und springe aus der Koje, hatte ich mich doch heute Punkt 11 Uhr mit Norbert zum Fischen verabredet. Nun heißt es erst ein Mal Norbert meine Verspätung zu beichten, anschließend mein Gerödel ins Auto zu werfen und mich auf den Weg zu machen. Beiläufig registriere ich den grau verhangenen Himmel. “Hatte der Wetterdienst nicht von Sonne gesprochen? Naja egal, wenigstens regnet es nicht und es ist passabel warm, denke ich mir.”
Um 12 Uhr schließlich komme ich bei Norbert an, wir verladen schnell das Bananaboot und dann geht es auch schon in Richtung Baggersee. Ich erinnere mich an unsere letzten beiden Versuche an diesem Gewässer zurück, die eher von bescheidenem Erfolg gekrönt gewesen waren.“ Vielleicht können wir heute ja die Wende herbeiführen, denke ich mir.“ Norbert ist jedenfalls guter Dinge und ich gewinne ebenfalls an Zuversicht, schließlich sind nach dem altbekannten Sprichwort „aller guten Dinge 3“ und dieses Mal haben wir zudem einen schwimmenden Untersatz dabei. Am See angekommen, lassen wir das Boot zu Wasser und laden unser Gerümpel ein. Jeder beschränkt sich auf 2 Ruten und eine Kiste Köder, für mehr ist einfach kein Platz auf der kleinen Jolle. Zielfische sollen vor allem die Forellen sein, die hier in beachtlichen Größen vorkommen, wie Norberts Fänge in der Vergangenheit eindrucksvoll belegen. Kurz nach der Schonzeit sollten die eigentlich ordentlich Kohldampf haben, so jedenfalls unsere Vermutung.
Ich möchte es erst etwas flacher probieren und montiere deshalb einen 130er RipRizer. Dem ein oder anderen mag diese Wahl eventuell etwas merkwürdig erscheinen. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass Forellen auch größere Happen nicht verschmähen und in Anbetracht der hier vorkommenden Fischgrößen scheint mir der Köder gerade recht zu sein, zumal die Farbe fast perfekt in das bläuliche Wasser passt. Norbert bestätigt ebenfalls meine Wahl, hat er doch dort sogar schon Forellen auf Hechtswimbaits gefangen. Munter feuern wir unsere Köder ins Wasser und fischen uns von Spot zu Spot. Ringsherum sind immer mal wieder Ringe auszumachen, es scheint also Aktivität zu geben. Aus dem Augenwinkel sehe ich es dann plötzlich an der Oberfläche rauben, bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob es sich um einen Fisch oder einen Haubentaucher handelt.
Nachdem ich Norbert darauf aufmerksam gemacht habe, machen wir uns schleunigst auf den Weg dorthin und schon beim zweiten Wurf an die Stelle gibt es einen heftigen Einschlag in der Edge Master. Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen, warum um Herrgottswillen fischt der Kerl nen 130er Jerk an der Edge Master? Berechtigter Einwand, leider hatte ich jedoch außer der Acorn Bomber gerade keine weitere Rute in Freiburg und diese ist noch bedeutend weniger für derlei Köder geeignet, es ging aber dennoch besser als vermutet. Nun aber zurück zum Geschehen. Der Fisch fühlt sich ganz passabel an, lässt sich zwar herkurbeln bleibt aber erstmal unten und die Edge ist schon recht gut gekrümmt. Dann lässt der Zug aber recht schnell nach und wir werden einer wirklich schönen Forelle gewahr, die majestätisch aus der Tiefe auftaucht und zuerst noch deutlich größer wirkt, als das Vermessen später ergeben sollte.
Kurz vor dem Boot, wacht sie dann doch noch ein Mal auf, schlägt das Wasser schaumig und dreht sich wie wild in die Schnur ein. Die Handlandung klappt und wir schneiden den Fische erst mal aus dem Schnurwirrwarr frei. Da halte ich sie nun in den Händen, meine bisher größte Forelle mit guten 60 cm, einfach ein klasse Fisch. Nach ein paar Fotos setze ich sie behutsam zurück, worauf sie zügig im klaren Blau des Sees verschwindet. „Super, so kann der Tag doch beginnen, denke ich mir.“ Eigentlich bin ich schon mehr als zufrieden, trotzdem pfeffere ich immer wieder den RipRizer in die Fluten. Ein paar Stellen weiter, bekomme ich dann erneut eine Attacke. Dieses Mal ist der Fisch aber deutlich schneller ausgedrillt und eine ca. 40er Forelle kommt zum Vorschein. Diese ist ganz anders gezeichnet, hat einen grünlich schimmernden Rücken und silbrige Flanken. Leider verabschiedet sie sich vorzeitig mit einem tollkühnen Sprung aus meinen Händen, bevor Norbert ein Foto schießen kann. Dieses hätte ich nicht der Größe, sondern vielmehr der schönen Färbung wegen gerne gehabt, sei’s drum.
Bei Norbert tat sich auf diverse Hardbaits und Gummis bis jetzt noch nichts, scheinbar hatte ich zufällig genau den richtigen Köder gegriffen. Dann überschlagen sich die Ereignisse förmlich. An einer neuen Stelle angekommen werfe ich den RipRizer erneut aus und kurble ihn zu mir heran, direkt vor dem Boot lasse ich ihn ins Wasser baumeln und drehe mich herum, um das herab gefallene Ruder wieder ordentlich hinzulegen. Plötzlich schrecke ich, einen lauten Platsch hörend, auf und sehe noch einen großen Schwall an der Stelle an der meine RipRizer nach wie vor fröhlich im Wasser auf und ab wippt. Norbert meint nur, „das war eine Hecht und kein kleiner, mindestens ein 90er eher größer.“ Etwas perplex fische ich weiter und wenig später sehe ich einen kleineren Hecht der meinen Lure verfolgt, aber nicht zupackt. Das Ganze geht noch zwei bis 3 Mal so, bis plötzlich wieder ein richtig guter Hecht hinter meinem Köder auftaucht, ich schätze ihn auf Mitte 90, dieses Mal schaut Norbert in die andere Richtung. Einfach total krass wie viele Nachläufer, oder waren es mehrmals die gleichen?, ich in der kurzen Zeit habe. In dem klaren Wasser lässt sich alles hervorragend beobachten und so bin ich nicht weiter traurig, dass keiner hängen bleibt, zumal ja auch gerade Schonzeit herrscht.
Wenig später verfolgt dann wieder eine schöne 50+ Forelle meinen Jerk, packt aber leider nicht zu. Die Fische müssen richtig aktiv sein, denn so viel Aktion habe ich schon länger nicht mehr erlebt. Dann kommt das was kommen muss, ich schaue in der Gegend herum, werfe unachtsam aus und treffe ein Seil, welches am Schwimmbagger befestigt ist. Jegliche Befreiungsversuche sind erfolglos und ich muss leider abreißen. Offenbar machte der Lure wirklich den Unterschied aus, denn in der Folge passiert bei mir rein gar nichts mehr. Norbert fischt mittlerweile einen 4,5er Shaker am Benten Jig und ist nicht allzu traurig, dass er noch nichts ans Band bekommen hat, hat er doch schließlich tags zuvor jede Menge Fisch in Calmbach gefangen. Plötzlich sehe ich wieder einen gigantischen Schwall direkt neben dem Boot und einen guten Hecht mit Norberts Gummi im Maul rasant in der Tiefe verschwinden.
Der schafft es gerade noch rechtzeitig die Bremse zu öffnen und dann geht ein heißer Tanz los, bei dem diese gleich mehrmals gefordert wird. Beim zweiten Versuch klappt die Handlandung, der Haken ist schnell entfernt, 2 Fotos rasch gemacht und dann wandert der Fisch auch schon wieder ohne Vermessung zurück in sein Element, wo er zügig abtaucht. Der Fisch war richtig dick und breit. Ersteres natürlich mit durch den Laich bedingt, dennoch habe ich noch selten einen derart bulligen Hecht gesehen. Wir schätzten den Fisch beide auf ca. Mitte 90 und waren froh, dass wir ihn so schnell und problemlos zurücksetzen konnten, schließlich herrscht gerade Schonzeit. So wird er dieses Jahr für viele kleine Hechtchen sorgen können und helfen den Bestand zu stützen. Kurz darauf gab es dann noch ein 60er Hechtlein bei Norbert, das wir gleich außenbords abhakten. Anschließend brachen wir das Angeln ab, da Norbert zum einen nach Hause musste, wir ohnehin schon sehr zufrieden waren und wir nicht noch weitere Hechte piercen wollten.
Fazit:
Norbert hat einen sehr guten Job als Guide gemacht und wir hatten viel Spaß am Wasser. Ich habe mich richtig über die Forellen gefreut, denn Salmoniden sind für mich nach wie vor die schönsten Fische unserer Gewässer. Wir haben absichtlich eher kleine Köder gefischt, obwohl auf Zander und große Forellen sicher auch größere Lures vertretbar gewesen wären. Leider kann man sich eben nicht immer aussuchen was beißen wird, dennoch bin ich der Meinung, dass wir sehr gut mit den Hechten umgegangen sind und sie möglichst schonend und unbeschadet zurückgesetzt haben.
6 Kommentare zu “Aller Guten Dinge sind drei”
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(4.31 out of 5)Daiko Burroughs BRSC-64H – An incredible Jerkstick




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Netter Bericht wieder mal, von solchen Forellen kan ich hier leider nur träumen.
Petri natürlich auch zum schönen Hecht :)
Warum hast du Norbert nicht die Bilder machen lassen?
Sehr geil – Petri!
Danke für den schönen Bericht und deinen Besuch, habe gerade alles nochmal durchlebt.
Petri ihr zwei !!!
Wie immer net geschrieben Schniedel!!
Schön geschrieben! Tolle Fische und geiles Wasser!
Sehr schöner Bericht und Petri zu den Fischen.Freut mich immer wieder von euch was Lesen zu dürfen!! NICE