Neue Wege zum Fisch

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Neue Wege zum Fisch

Neue Wege zum Fisch

Jedes Jahr das gleiche Spiel, kaum verlieren die Bäume ihre Blätter wird es recht schwer in den Rheinaltarmen zum Erfolg zu kommen.

Nachdem ich es dann folglich letztes Jahr mit mäßigem Erfolg in den Mündungsbereichen von Häfen und sonstigen Einmündungen probiert hatte, nahm ich mir in den letzten Tagen die Rheinbuhnen vor. Praktisch, dass sich der Rhein just zu diesem Zeitpunkt auf einem relativ niedrigen Pegel einpendelte, was ich nach dem ewig währenden Hochwasserstand diese Saison kaum zu hoffen gewagt hatte. Optimale Bedingungen also, um sich in die Wathose zu schwingen und die Buhnen abzuklappern. Da ich früher allenfalls sporadische Versuche dieser Art unternommen hatte, hieß es erst ein Mal testen und suchen. So war ich auch nicht sonderlich enttäuscht, als die ersten Dutzend Buhnen nur Hechtfritten und Barschkinder brachten. Jegliche Topwaterversuche wurden leider schlichtweg ignoriert. Als ich an einer Altarmmündung kurz meinem Konzept untreu wurde, konnte ich wenigstens noch einen mitte 60er Hechtlein auf einen Tsuni Spinnerbait überlisten. Dann zog es mich jedoch wieder zurück zum Hauptstrom.

Ganz schön dicke Plautze, der Gute.

Mittlerweile war es schon recht spät geworden und ich sah mich bereits mit wehenden Fahnen untergehen. Die letzte Buhne, welche zugleich die überfischteste von allen ist, brachte dann witzigerweise die Wende.
Innerhalb kürzester Zeit konnte ich 4 Rapfen mitte bis ende 60 und einen mitte 60er Esox von meinen Gummis überzeugen. Die Bisse der Rapfen kamen absolut brachial, weswegen mich meine legere Art die Rute zu halten, beim ersten Einschlag fast dieselbige gekostet hätte. Bei den folgenden Attacken war ich vorgewarnt und hatte die Bremse vorsorglich etwas geöffnet. Diese Art der Angelei machte mir einen Heidenspass, auch deshalb, weil die Rapfen in der harten Strömung zumindest ansatzweise so etwas wie einen Drill boten. Die Freude war leider nur von kurzer Dauer, denn mit Einsetzen der Dunkelheit erstarb die Beißwütigkeit der geschuppten Kollegen jäh.

Am nächsten Tag wollte ich also erneut angreifen, diesmal zusammen mit meinem Opa, der natürlich Wind von der Geschichte bekommen hatte. Den Erfahrungen des Vortags folgend, stiefelte ich dann wieder auf die selbe Buhne hinaus um mein Glück zu versuchen. Da mein Opa derlei Gekraxel nicht mehr mitmachen kann, stellte er sich in die Mitte des Buhnenfeldes unweit einer dorthin führenden Treppe, ganz bequem also und wie für ihn gemacht. Im Vorfeld montierte ich ihm ein C-Rig mit einem kleinen Twister, auch als Jöööörg bekannt, den ich ordentlich mit Bio Edge “Seeringelwurm” eingetulft hatte, zeigte ihm an welche Stellen er werfen könne, stellte seine Bremse ein und überprüfte seine Schnur auf etwaige Schäden. Eigentlich wollte ich meinen Opa einfach nur beschäftigt wissen, während ich ein halbe Stunde die Buhne antesten wollte und rechnete nicht wirklich damit, dass bei ihm etwas passieren würde, denn im Anschluss an diesen kurzen Ausflug sollte es dann, etwas mehr dem fortgeschrittenen Alters meines Opas gerecht werdend, auf unseren Kahn gehen.

Genialer Barsch

Kaum hatte ich ein paar Würfe gemacht, sah ich aus dem Augenwinkel, dass die Rute meines Opis ordentlich krumm war und machte mich schleunigst auf die Socken. Das war jedoch leichter gedacht als getan, musste ich doch 50 Meter überflutete Buhne durchwaten und anschließend noch ein Mal die gleiche Strecke über die Steinpackung watscheln. Auf dem Weg machte ich mir so meine Gedanken was da an Opas Telestängel hängen könnte, doch was ich dann sah im gleichen Moment als ich Opas Kommentar: “Oh, Kilian, guck mal, ein Barsch” vernahm, verschlug mir erst mal die Sprache. Da ich gerade also ohnehin nicht quasseln konnte, schnappte ich mir das Bärschlein und drückte es Opa in die Hände. Die ganze Situation war einfach zu drollig und ich muss jetzt noch grinsen, wenn ich daran denke. Mein ehrenwerter Herr Opa hatte jedenfalls gerade mal so nebenbei einen 46,5cm langen Barsch aus den Fluten gezogen, den er dann auch nach ein paar Fotos wieder an mich zum releasen übergab. Dann freuten wir uns erst mal eine Weile gemeinsam und ich beglückwünschte meinen alten Herren ausgiebig.

Schön den Keitech zerfleddert.

Anschließend watschelte ich wieder auf die Buhne hinaus und fing noch schnell einen Silbertorpedo. Da ich es meinem Opa versprochen hatte und er ohnehin gerade irgendwo mit seiner Montage fest hing, machten wir uns dann auf den Weg zu unserem Boot, auch wenn ich mir dort kaum Hoffnungen auf Fische machte und es an der Buhne offenbar biss. Nun denn, nach 4 Stunden vergeblicher Mühen brachen wir den Versuch ab und besuchten nochmals für eine Stunde die Buhne. Dort gab es dann für mich noch 2 schöne Rapfen und ein paar Hechtfritten. Bei meinem Opa tat sich leider nichts mehr und so hatte er am ganzen Tag nur einen einzigen Biss, der hatte es aber in sich.

Die folgenden 2 Tage verbrachte ich ebenfalls auf den Buhnen, wo ich dann noch insgesamt 8 Rapfen, 4 Brachsen (einer hatte doch tatsächlich bei völliger Dunkelheit den 4 inch Gummi völlig weginhaliert), einen schönen Aland, ne Menge Kleinkram und zu guter letzt noch einen knapp 60er Zander, über welchen ich mich besonders gefreut habe. Die besten Rapfen hatten mitte 70 und waren somit schon recht zufriedenstellend.

Keitech Swing Impact 4 inch, der Abräumer an diesen Tagen.

Diese beiden Tage war ich hauptsächlich an einem Buhnenfeld, welches mit dem Auto nicht zu erreichen ist und nur per Boot angefahren werden kann. Da ich dort keines liegen habe, bin ich am ersten Tag zu Fuß dorthin gelaufen, was mich eine Menge Nerven, 1,5 Stunden durch kopfhohes Gebüsch waten und einen Balanceakt über eine umgefallene Pappel, welche über einen ca. 15 m breiten, stark strömenden Fluss führt, gekostet hat. Das Zurücklaufen in völliger Dunkelheit ohne jegliches Licht fiel natürlich dementsprechend noch genialer aus und ich war am Ende froh mein Auto mit lediglich ein paar kleinen Schrammen erreicht zu haben. Ich war total gerädert nach dieser Aktion und habe mich wirklich mehrfach verflucht, dass ich einfach nicht rechtzeitig aufhören konnte, aber so ist das nun Mal wenn man mitten im Fisch steht. In schweinischen Fachkreisen müsste man sich heute noch die Story über den verrückten Angler, der in kompletter Dunkelheit durch die Prärie gestolpert ist erzählen, denn von diesen gab es dort jede Menge. Aus diesen Erlebnissen gelernt, bin ich dann am nächsten Tag einfach mit einem kleinen Schlauchboote übergesetzt, was mich ganze 5 Minuten gekostet hat, ich meine mal der geschicktere Weg.

Am Donnerstag dann waren die Buhnen leider auf Grund des gestiegenen Rheins nicht mehr betretbar und ich machte mich auf um einen Hafen anzutesten. Dies brachte mir dann wenigstens ein paar Barsche, von denen einer immerhin 38cm maß. So endetes dann erst mal meine kleine Rheinsession.

Fazit:
Die Tage haben mir richtig Spass gemacht und ich habe eine Menge dazugelernt. Leider war die effektive Angelzeit auf Grund der vielen Lauferei nicht sonderlich lange, allerdings kenne ich jetzt die lohnenden Stellen und kann diese beim nächsten Mal ohne langes Suchen direkt ansteuern. Besonders habe ich mich natürlich für meinen Opa gefreut, der von mir jetzt nur noch Dekaopi genannt wird. Ich bin mal gespannt was er das nächste Jahr so rauszieht, denn für ihn ist die diesjährige Saison nun beendet.

Für die miesen Pics bitte ich zu entschuldigen. Ich war leider meist gezwungen auf Grund der Umstände auf meine Handycam zurückzugreifen und die macht gerade unter schlechten Lichtverhältnissen nicht sonderlich viel her.

TL Kilian




5 Kommentare zu “Neue Wege zum Fisch”

  1. Börnie sagt:

    Hi Kilian,

    mal wieder ein netter und schön geschriebener Bericht. Petri an den Opa!!

    Gruss
    Börnie

    p.s. Die Rapfen hast Du auf den Swing Impact aber nicht hart am Grund gefangen, oder?

  2. Vision sagt:

    Petri Heil! Dein Opa zeigt dir des Öfteren mal wie es geht oder? ;)

    Die Swinger fische ich auch sehr gerne in der Farbe.

  3. Schniedel sagt:

    @Börnie
    Die Rapfen haben alle ausschließlich direkt am Grund gebissen. Darüber wie ich genau vorgegangen bin schreib ich mal vielleicht noch was.

    @Vision
    Mein Opa ist eben ein guter Schüler ;)

  4. Heiko sagt:

    Soooo geil Killian!

    Wieso hast du dich nicht mal gemeldet du Schlawiner?

    Besonderen Respekt habe ich vor dieser Stelle :

    “Da ich dort keines liegen habe, bin ich am ersten Tag zu Fuß dorthin gelaufen, was mich eine Menge Nerven, 1,5 Stunden durch kopfhohes Gebüsch waten und einen Balanceakt über eine umgefallene Pappel, welche über einen ca. 15 m breiten, stark strömenden Fluss führt, gekostet hat. ”

    Hört sich recht harmlos an … aber ist echt nicht ohne was der Killian da treibt!

    Verrückter Hund.

    Freu mich auf unsere nächste Session!

    Grüße Heiko

  5. Viva sagt:

    Petri zu den tollen Fischen!

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