Rheinüberraschungen

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Rheinüberraschungen

Rheinüberraschungen

Nachdem ich nun mehr als 6 Wochen nicht mehr zum Angeln gekommen war sowie kaum die Uni bzw. meine Bude verlassen konnte, sehnte ich mich doch sehr nach etwas frischer Luft und Erholung.

Also hieß es dem Abhilfe zu schaffen und ich unternahm diese Woche gleich 4 Trips zum Gevatter Rhein. Typisch war mal wieder, dass just dann, wenn ich mal etwas Zeit hatte der Rhein schlagartig um einen Meter angestiegen war und es einen Wetterumschwung gab. So machte ich mich mit wenig Hoffnung auf Erfolg, aber umso größerer Vorfreude, ob der Tatsache endlich mal wieder meine Seele baumeln lassen zu können, spät nachmittags auf den Weg zum Gewässer. Dort angekommen wurde meine Vermutung bestätigt, meine todsichere Rapfenstelle war mit der Wathose unmöglich zu erreichen. Nun denn, also ab ins Auto und eine neue Stelle angefahren. Hier wollte ich meine frisch eingetroffene Daiko BRDC-711 FSXX “The Arcorn Bomber”, nochmals Danke an die S.W.A.T Jungs an der Stelle, auf Herz und Nieren testen. Um es kurz zu machen, eine 50er Fritte blies sich den 4,5er Huddle Swimmer am 14g Kopf hinter die Binsen, mehr ging nicht. Immerhin verabschiedete sich der Tag mit einem wunderschönen Sonnenuntergang und unzähligen Stechmücken, die sich ihren Lebensabend mit meinem Blut versüßten.

Am 2ten Tag lud ich dann meinen Opa ein und da ich am Vortag festgestellt hatte, dass bei dem erhöhten Wasserstand die Wathose nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss war, enterten wir unseren Ruderkahn. Offenbar war gerade nicht viel auf lebendige Köderfische zu holen, was man alleine an der Tatsache sah, dass wir die einzigen Angler weit und breit waren. Im Laufe des Tages konnte ich einen Anfang 60er Hecht neben einer versunkenen Pappel von meinem Huddle Swimmer überzeugen und ein gutes Dutzend Barsche geringen Alters aus ihrem Versteck locken und bändigen. Bei meinem Opa sah es noch schlimmer aus, denn leider waren 2 Barsche alles was seiner kurzen Bekanntschaft gewahr werden wollte. Dennoch war ich einfach nur froh, meine Köder baden zu können und die Natur zu genießen, wenngleich wir derart gegossen wurden, dass sogar meine Versusboxen, trotz geschlossener Deckel, vollgelaufen sind.

Schöner 95er

Schöner 95er

Am folgenden Tag hatte dann mein Vater einen freien Mittag und so fanden wir uns wenig später auf einem Altrheinarm wieder. Ich griff mir die Acorn Bomber und feuerte munter meinen Huddle Swimmer in die Fluten. Vor einer versunkenen Weide zeigte mir die Rute zuverlässig einen Biss an und ich quittierte diesen mit einem saftigen Anhieb. Hmm komisch, schoss es mir durch den Kopf, die letzten beiden Hechtlein sind mir doch fast beim Anschlag entgegen geflogen. Als sich das Viech dann auch noch meinem Einkurbelversuch widersetzte, war mir klar was die Stunde geschlagen hatte und meinem Gegenüber nach einer Schrecksekunde wohl ebenfalls, denn der Fisch zog sofort vehement in den angesprochenen Baum. Davon konnte ich ihn, dank Geflecht und der 3 oz Rute, gerade eben so abhalten. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was mit einer schwächeren Rute passiert wäre.

Bis dato hatte ich den Fisch noch nicht gesehen was sich aber schlagartig änderte, als er sich in voller Länge direkt vorm Boot aus dem Wasser schraubte. Was für ein Anblick! Nach weiteren 2 kurzen Fluchtversuchen lag er dann sicher im Kescher. Der Drill dauerte nur eine knappe Minute, war aber umso heftiger. Das anschließende Vermessen ergab 95cm. Ein wirklich schöner Fisch wenn auch, wie für den Rhein typisch, relativ schlank. Nach ein paar Bildern wollte ich den Esox behutsam seinem Element übergeben, als mir jede Menge Blut auffiel, welches ich mir nicht recht erklären konnte, denn der Einzelhaken hatte sicher im Maulwinkel gefasst. Der Fisch verabschiedete sich mit einem kräftigen Schwanzschlag und des Rätsels Lösung zeigte sich auch alsbald beim Betrachten meiner linken Hand, die gut gefistet war und stark blutete. Mit so einem Fisch hatte ich unter diesen Bedingungen überhaupt nicht gerechnet und die Tatsache, dass er aus dem Rhein stammt hat mich umso mehr gefreut. Danach konnten wir noch ein paar Barsche landen und mir gingen noch 2 Rapfen durch die Lappen, die ich mit ein bisschen Glück und mehr Konzentration wohl bekommen hätte, aber das war mir dann auch recht egal.

74er Pseudobarsch

74er Pseudobarsch

Mein Opa, der von der Sache Wind bekommen hatte, war dann natürlich heiß auf einen weiteren Trip und so sah ich mich gezwungen noch ein Mal den Rhein zu beehren ;). Da sich mit diversen Hechtlures an diesem Tag niemand hinter dem Ofen hervorlocken ließ zupfte ich einen kleinen Hardbait durch die Gegend, der alsbald heftig genommen wurde und nach einem heißen Tanz an der Firangi im Maul eines 74er Hechts ans Tageslicht kam. Im Verlauf des Tages konnte ich dann des Weiteren ein paar Barsche landen, einen Rapfenfehlbiss verzeichnen und leider ist mir auch noch ein guter Hecht im Drill ausgestiegen, der einen Bumble Shad zum Fressen gern hatte. Mein Opa verlor allerdings langsam die Lust, da er den gesamten Tag lang noch keinen Kontakt gehabt hatte und so traten wir den Heimweg an. An einer interessanten Stelle stoppte ich und wies meinen Opa an seinen Crank mal eben dort zu baden, da ich unbedingt wollte, dass er noch irgendetwas ans Band bekommt.

Es dauerte auch nicht lange und er bekam einen Biss was ich an seiner gekrümmten Spitze registrierte, bevor es ihm überhaupt bewusst wurde. Er drillte den Fisch mit seiner weichen Rute gekonnt und wir rechneten beide mit einem ca. 60er Hechtchen. Was dann aber auftauchte verschlug uns beiden die Sprache. Da hatte mein alter Herr doch tatsächlich den größten Barsch seines Lebens an der Strippe und mit 41 cm wahrlich kein schlechter, denn bei uns im Altrhein sind 40+ Barsche sehr, sehr rar gesät. Ich war schon ein wenig Stolz auf meinen Opa und hab mich total für ihn gefreut. Ich finde es einfach aller Ehren wert wie er mit 84 Jahren und allen damit verbundenen Einschränkungen immer mehr dazulernt und den früher nicht wegzudenkenden lebenden Köfi nicht mal mehr im Traum an die Angel bindet, auch wenn es gerade mal nicht so läuft. Meinem Opa stelle ich immer frei was er mit seinen wenigen Fängen machen möchte und dass er diesen Barsch zurückgesetzt hat zeigt eindrucksvoll, dass es wesentlich besser funktioniert einem Kochtopfangler C&R vorzuleben, statt ihn anzufeinden.

Opi mit Deka

Opi mit Deka

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte über die Arcorn Bomber verlieren. Nach den wenigen Einsätzen hat sie sich schon sehr in mein Herz gefischt und ich bin immer noch hin und weg von dem Teil. Die Sensibilität ist beeindruckend, ich hatte jedenfalls noch nichts Besseres in der Hand. Im Altrhein liegen wirklich unzählige Bäume am Grund und man reißt oft Gufis ab, die ohne Offsets gefischt werden. Seit ich mit dieser Rute dort fische gab es noch keinen Verlust, da ich die Hänger spüre bevor ich wirklich hänge. Dann lasse ich den Lure dort liegen, fahre mit dem Boot darüber und kurbele den Gufi einfach wieder ein. Bei den seltenen wirklichen Hängern, habe ich bisher immer den Haken herausgerissen oder die Äste einfach über die Rute abgebrochen. Man merkt das Schwanzwackeln des Huddle Swimmer in der Absinkphase und selbst Barschbabys, die nur ganz leicht am Ende des Lures zuppeln bzw. den Lauf des Schwanztellers beeinflussen sind spürbar. Die Rückstellkraft ist für eine 2,40 m lange Rute ebenso phänomenal. Bisher habe ich sie nur mit 4,5 bis 6 inch Gummis und Köpfen zwischen 15 und 20 g gefischt. Es ist aber noch ordentlich Luft nach oben und ich bin ehrlich gesagt erstaunt wie gut das mit den eher leichten Teilen funktioniert. Power hat die Rute ohne Ende und für die Steinpackungen reicht die Länge meines Erachtens, selbst bei hohen Wasserständen, auch problemlos aus. Wer bisher mit seiner 2,70m 100g Standartspinne nicht so recht glücklich geworden ist, sollte mal einen Blick auf diese Rute werfen, das sind Welten. Zu gegebener Zeit gibt es dann noch ein ausführlicheres review über die BRDC-711 FSXX .




13 Kommentare zu “Rheinüberraschungen”

  1. Eclipse sagt:

    Wahnsinnige Story und tolle Fische. Vor allem beeindruckt mich das Verhalten deines Opas. Wunderbar, dass er einen so tollen Fisch fängt und sich den neuen Methoden nicht verwährt, sondern seinen Nutzen daraus zieht. Der Erfolg gibt ihm wohl Recht und das Bild erinnert nicht an Bilder, die man sonst so von älteren Mitanglern sieht. Die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben und die Tatsache, dass er diesen Fisch schwimmen lies, verdeutlicht das Umdenken wohl noch mehr.

    Dickes Petri zu den gelungenen Ausflügen und weiterhin viele Spass!

    Chris

  2. Fabian sagt:

    Wieder einmal ein super geschriebener Bericht. Petri euch!

  3. Ronin sagt:

    Wieder ein sehr gut geschriebener Bericht.
    Petri zu den schönen Fischen und so wie es scheint, hält Angeln Jung, denn ich kann deinem Opa die 84 Jahre nicht ansehen.

  4. lexy sagt:

    Ganz großes Petri an euch, und vor allem an deinen Opa, den Fisch hat er sich echt verdient.

  5. Viva sagt:

    Tolle Fische und noch schönere Spots!

  6. KissMyBass sagt:

    Hi Killian!

    Petri zu den Fischen und Glückwunsch zum tollen Opa! Auf das ihr noch lange von einander habt. Ansonsten finde ich, das Du von den besten Schreibstil von allen hast. Man merkt, das Sprache und Schreiben Deine Freunde sind. Manche Deiner Formulierungen sind etwas altbacken, aber gerade das mag ich sehr und machen Deine Schreibe unverwechselbar.Deine Tacklebilder sind sowieso die besten. Somit freue ich mich auf weitere tolle Berichte in Deinem Blog.

    Viele Grüße
    René

  7. Schniedel sagt:

    Danke Leute für das Lob und die Petris, werde ich an meinen Opa weiterleiten.

  8. Marcel sagt:

    Super Bericht……;)

    Sag mal ist dein Opa der Angel-Schmidt??? die Ähnlichkeint ist schon enorm ;)

    TL Marcel

  9. Eclipse sagt:

    Wer ist denn Angel-Schmidt? :D

  10. Marcel sagt:

    Wie den kennst du nicht Chris……???Dann brauchst du dich gar nit mehr am Lake-Eder blicken lassen….
    Kulturbanause ;-)

  11. Eclipse sagt:

    Sach schon :)

  12. Schniedel sagt:

    Oh, oh Chris Bildungslücke! Das ist der gute Mann, der in seinem “JDM Store” Tag und Nacht verbringt und einem beim Angelkartenkauf derbst die Ohren vollschwätzt. Wenn man ganz höflich ist, verrät er einem auch die totalen Geheimspots und/oder Köder, ganz wichtig dabei, letztere müssen Bluten!

    @Marcel
    Die Ähnlichkeit ist in der Realität nicht so sonderlich riesig, hätten die 2 auch merken müssen, weil sie sich schon mal gegenüber standen. Des Weiteren würde ich mit dem Angel-Schmidt keine Stunde auf dem selben Kahn überleben!

  13. Eclipse sagt:

    JDM Store am Edersee? :) Das wüsste ich. Muss ich mal hingehen und schauen, ob das das stimmt, was ihr hier zu plappert :)

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