Edersee Mai 2010 – Eine schwere Geburt
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Edersee Mai 2010 – Eine schwere Geburt
Von Nachläufern, Missgeschicken und Pech verfolgt, bekämpften wir dennoch erfolgreich das tapfere Schneiderlein.
Am Dienstag um 5 Uhr in der Früh, machte ich mich mit Jonas (Meterhecht) auf den Weg zum Edersee. Da es hier in Baden Württemberg sowohl für Studenten, als auch Schüler Pfingstferien gibt, wollte ich die Zeit nutzen und nochmals ein paar Flossenträger zum Photoshoot bitten, bevor dann demnächst der Lernstress einsetzt. Aus leidvoller Erfahrung wusste ich aus dem vergangenen Jahr, dass es generell keine gute Idee ist einen solchen Trip auf ein Wochenende oder gar Feiertage zu legen, denn dann bekommt man dort mehr Boote zu Gesicht als Fische. Deshalb war ich sehr froh, dass wir von Dienstag bis Freitag ein Boot mit Elektromotor in Bringhausen ergattern konnten und damit einen optimalen Startpunkt hatten, um sowohl den oberen, als auch den unteren Teil des Sees befischen zu können.
Als wir dann nach einer unproblematischen 4 stündigen Fahrt den Bootsverleih erreichten, hieß es schnell das Tackle zu montieren und im Kahn zu verstauen. Dies ging bei Jonas etwas schneller vonstatten denn bei mir, hatte er doch nur ein drittel an Kombos zu montieren. Nachdem ich dann auch endlich fertig war, hatte er schon 6 Barsche vom Steg aus gezogen, keine Riesen zwar, aber es machte schon mal Hoffnung auf mehr. Also stachen wir voller Tatendrang in See und pflasterten den Uferbereich mit verschiedenen Ködern zu. Um es kurz zu machen, wir konnten den ganzen Tag nicht einen einzigen Hecht zum Biss bewegen und auch die Barsche zeigten sich nicht gerade von ihrer besten Seite. Jonas konnte immerhin neben 4 kleineren Barschen noch einen schönen 35er klar machen. Bei mir sah es ganz mies aus, denn es interessierte sich nur ein einziger Knadenbarsch für meine faulen Tricks, wodurch die anfängliche Vorfreude und Euphorie auch recht schnell in Ernüchterung umschlug.
Dieser Tag reihte sich nahtlos in meine vorangegangenen Angelausflüge ein, denn bis dato war es mir nicht gelungen 2010 einen anständigen Fisch ans Band zu bekommen. Wenn ich in der Schonzeit auf Barsch fischte, fing ich stattdessen mittlere Zander oder Hechte, fischte ich nach der Schonzeit auf Zander fing ich Hechte und kleine Barsche und wagte ich einen Versuch auf Rapfen, bekam ich fast nur Fehlbisse. Es war wirklich zum verzweifeln und ich fragte mich des öfteren warum mir Petrus so übel mitspielte. Wenigstens lief es am Forellenbach recht gut, aber das konnte mich auch nicht wirklich aus meinem anglerischen Tief ziehen. Nuja sagte ich mir, morgen kann es ja nur besser werden.
Am nächsten morgen fing dann Jonas wieder die obligatorischen Stegbarsche, während ich mit Bootbepacken und Einkaufen beschäftigt war. Dann warfen wir wieder alles in die Fluten, was unsere Köderkisten hergaben und ich konnte bis 4 Uhr einen 30er Barsch fangen, Jonas blieb gänzlich ohne Kontakt. Das war nun des Guten etwas zu viel und wir dachten schon daran unseren Trip zu beenden, da auch die anderen Angler weitestgehend ohne nennenswerten Erfolg blieben und ich auch durch meine vorher eingeholten Infos wusste, dass es zurzeit recht zäh sein sollte.Wir fischten dann aber doch noch lustlos etwas weiter, als es bei mir plötzlichen einen heftigen Schlag in der Edge Master gab.
Da dieser direkt nach dem Eintreffen des 4 inch Swing Impacts auf der Wasseroberfläche erfolgte, dachte ich sofort an einen Hecht und es kam auch ein solcher Anfang 60cm zum Vorschein. Nicht gerade das wofür wir an den Lago di Eder gefahren waren, aber zu diesem Zeitpunkt ein guter Motivationsfisch. Jonas griff sich daraufhin meine Balista und feuerte einen 6 inch BBZ ins extrem klare Wasser. Wir staunten nicht schlecht als die Rute keine paar Sekunden später krumm stand und ein schöner mitte 70er Hecht zum Vorschein kam. Jetzt waren wir wieder munter und versuchten unser Glück weiter auf Hecht. Wir bekamen dann auch kurz danach noch jeder einen Fehlbiss auf Sicht und ein paar Nachläufer. Nun war zumindest mal wieder ein wenig Aktion und wir beschlossen wenigstens noch einen Tag zu bleiben. Beim Rückweg zum Booststeg konnten wir dann kurz Fische rauben sehen, die ich auf Grund der Einschläge für Rapfen hielt.
Also warf ich schnell den montierten Squirrel ins Geschehen und konnte nach ein paar Würfen einen Biss verbuchen. Sofort war aber klar, dass es sich bei dem Fisch nicht um einen Rapfen handeln konnte und wenig später hielt ich einen 37er Barsch in den Händen. Das Treiben war nur von sehr kurzer Dauer gewesen, trotzdem versuchten wir es beharrlich weiter mit kleineren Hardbaits. Kurze Zeit später blieb mir fast das Herz stehen, als ich hinter Jonas Squirrel vier 40+ Barsche erkannte, die den Lure vorm Boot, wie Wölfe ein Reh, umstellten und misstrauisch beäugten, um dann wie auf ein Kommando wieder zu verschwinden, was für ein AnblicK! „Nun gut“, dachte ich mir, „vielleicht fressen sie ja doch lieber einen Softbait“.
Damit lag ich wohl nicht ganz falsch, denn auf das Konto des Swing Impacts gingen dann schnell 2 kleinere Barsche. Beim folgenden Wurf wurde der Lauf des Baits dann durch ein schönes sattes Tock unterbrochen und dieser von mir sofort mit einem deftigen Anhieb quittiert. Der Fisch lies sich zwar relativ zügig herankurbeln, fühlte sich aber recht schwer an und da ich immer wieder die für einen Zander typischen Kopfstöße verspürte und es mittlerweile auch fast komplett dunkel geworden war, erwartete ich ein mittleres Exemplar seiner Art. Neugierig lugte ich ins Wasser und wurde schnell einem Fisch gewahr, „aber Moment mal“, schoss es mir durch den Kopf, „Zander haben doch gar keine Streifen“. Die Handladung klappte und ich hielt endlich mal wieder einen anständigen Räuber in meinen Händen, die Freude platzte dann auch recht lautstark aus mir heraus, denn zum einen kam der Fisch genau im richtigen Augenblick und zum anderen handelte es sich dabei unzweifelhaft um meinen neuen PB. Das Messen ergab 47cm, einfach ein wunderschönes Tier!
Die Motivation war nun endgültig zurück und wir beschlossen am nächsten Morgen relativ früh zu starten, da wir gegen Mittag mit Rudi (Iron Fist) in Herzhausen verabredet waren. Auf dem Weg dorthin klapperten wir die potentiellen Unterstände von Meister Esox ab. Jonas vertraute dabei schon dem am Vortag fängigen BBZ, ich dagegen wollte endlich mal meine SWORD Jerke mit einem gejerkten Hecht einweihen. Nach ein paar hundert Metern Ufer schlug es in der Balista ein und Jonas konnte einen 85er zum Fototermin bitten. Das ließ sich ja gut an, sollte unsere Durststrecke nun beendet sein?
Kurz darauf kurbelte Jonas jedenfalls einen 60er an Tageslicht und ich wollte schon meinen Jerks untreu werden, doch erinnerte ich mich daran, ein paar Tage zuvor meinen 2ten BBZ versenkt zu haben und so blieb ich zwangsläufig eisern. Im weiteren Verlauf des Wegs hatten wir noch jede Menge Nachläufer und ich konnte noch 2 Barsche überlisten. In Herzhausen angekommen, stellten wir fest, dass Rudi noch nicht vor Ort war und ankerten um eine Mittagspause einzulegen. Ab und an warf ich dann mal einen Jerk ins Wasser und dann passierte es. Nachdem ich auf einen Topper im Schleiendesign gewechselt hatte und den Lauf im Wasser beobachten wollte, gab es plötzlich einen heftigen Ruck, gefolgt von einem gigantischen Schwall an der Wasseroberfläche. Ich war dermaßen überrascht, dass ich einen Tick zu früh reagierte und dem Fisch den Köder wieder aus dem Maul heraus schlug. Schnell wurde mir bewusst, dass dies der Hecht gewesen wäre auf den ich gewartet hatte und in der folgenden halben Stunde fluchte ich was das Zeug hielt.
Dann traf Rudi ein, wir hielten ein Schwätzchen, testeten gegenseitig unser Tackle und zogen dann los um noch ein wenig die Hechte zu ärgern bzw. eher uns ärgern zu lassen, denn Jonas bat noch einen knapp 70er Esox zum Zahnarzt, ansonsten tat sich leider nichts mehr. Dann machten wir uns auf den langen Weg zurück nach Bringhausen, um die Barschstelle vom vergangenen Abend nochmals anzutesten. Dort angekommen zogen wir voller Hoffnung unsere Lures durchs Wasser. Nach 2 kleineren Barschen, konnte Jonas dann einen 35er überreden. Daraufhin ging ihm noch ein 37er an die Strippe.
Wenig später folgte dann ein 45+ Barsch meinem Hardbait bis ans Boot, wo er leider abdrehte. Beim nächsten Wurf machte ich ihn wieder im Schlepptau aus und streute direkt am Boot einen Kickback in meine Köderführung ein, der Trick funktionierte, der Barsch schnappte aggressiv zu, verfehlte den Lure aber. Bei der folgenden Bewegung saugte er ihn allerdings in komplettto weg und ich setzte blitzartig den Anhieb, doch was war das, der Squirrel flog mir entgegen und der Barsch verschwand. Ich hätte kotzen können! Wie um mich zu verhöhnen verfolgte er beim dritten Wurf den Köder noch ein Mal, bevor er in der Dunkelheit verschwand. Nun war ich endgültig richtig angefressen und ging nach dem Entpacken des Bootes ohne Essen ins Bett.
Am nächsten Morgen sah die Welt dann schon wieder etwas besser aus und es ging bei strömenden Regen Richtung Staumauer. Jonas verhaftete recht zügig einen 60er Esox auf den Dauerbrenner BBZ, dann passierte lange nichts mehr. Als Jonas mal wieder am Futtern war, schnappte ich mir den BBZ und machte ein paar Würfe. Als ich ihn dann mal zum Boden absinken ließ um ihn im glasklaren Wasser zu beobachten, sagte ich zu Jonas: „Schau mal wie genial das Teil sich beim Absinken bewegt“. Er erwiderte: „Kilian, ich glaub da steht ein Hecht hintendran“. Bevor ich zum Nachsehen kam, spürte ich einen sachten Ruck und erwiderte diesen mit einem Anhieb und tatsächlich, es kam eine 50er Fritte zum Vorschein, die den BBZ voll genommen hatte, wir grinsten beide über das dämliche Viech und entließen den kleinen Racker nach einer kurzen OP in sein Element.
Beim nächsten Wurf gab es dann schon den nächsten Biss auf meinen BBZ, diesmal verursacht durch den etwas größeren Bruder, der mit etwas über 60cm zu Buche schlug. Daraufhin gab ich Jonas den Bait zurück und versuchte mein Glück wieder mit dem Topper, was sich als goldrichtige Entscheidung herausstellte. Denn nach ein paar erfolglosen Würfen krachten 2 50er Schniepel direkt hintereinander auf den Lure, die Freude war trotz der geringen Größe der Fische groß, da endlich mal etwas an meinen Jerks hängen blieb. Wenig später gab es dann einen richtig deftigen Einschlag in der Rute und es wurde sogar Schnur von der Rolle gerissen, da ich den Fisch bei der Attacke gesehen hatte, passte das Verhalten, aber nicht recht mit der vermuteten Größe zusammen. An der Oberfläche zeigte sich dann jedenfalls ein ziemlich fett gefressener Hecht Anfang 70cm, der offensichtlich auf LSD gewesen sein musste. Endlich war die Jerke also ihrer Bestimmung entsprechend eingeweiht. Dann folgte eine Aktion, die mir deutlich machte, dass Petrus momentan wirklich einen Krieg gegen mich zu führen scheint. Und das kam so:
Wir fuhren gerade gegen den immer heftiger gewordenen Wind Richtung Bringhausen, als ich ein Klappern hörte und Jonas schrie, „Angel über Bord“. Ich drehte mich blitzartig um und sah meine eben gerade entjungferte Jerke in den Fluten versinken. Natürlich legte ich sofort den Rückwärtsgang ein, im gleichen Moment wurde mir aber bewusst, dass wir es niemals rechtzeitig schaffen würden, da der Kahn einfach viel zu träge reagierte. Da ich eine ähnliche Situation schon ein Mal erlebt hatte, ging jetzt alles ganz schnell. Ich zog mein Handy aus der Tasche, legte es auf den Sitz und Sprang soweit es ging der Kombo entgegen. Irgendwie konnte ich sie dann in ca. 2,5m Tiefe, in dem an der Stelle ca. 30m tiefen Wasser, ertasten und mit den Fingerspitzen greifen.
An der Oberfläche zurück übergab ich sie Jonas und hievte mich mit Mühe, samt der voll gesogenen Klamotten ins Boot zurück. Als erstes prüfte ich, ob die Brille noch auf der Nase saß und sich der Autoschlüssel, Haustürschlüssel, sowie mein Geldbeutel in meinen Hosentaschen befanden. Zum Glück war dem so und ich wurde mir erst jetzt bewusst, dass es nicht gerade besonders warm war. Also hieß es raus aus dem nassen Zeugs und rein in den Norwegenstrampler. In dem Aufzug hätte ich sogar Brad Pitt und co. den Schneid abgekauft. Danach fischten wir noch weiter, aber außer einem kleinen Barsch und ein paar Nachläufern sowie Fehlbissen, tat sich nichts mehr, sodass wir dann spät abends die Heimreise antraten. Da der Diesel zur Neige ging, stoppte ich an einer Tanke und drückte dem Mensch hinter der Theke einen triefenden 50er in die Hand, worauf dieser mich mit den Worten „Ohhh, bischt heut ins Wasser gfalle?“ bedachte. Mein daraufhin erwiderter Blick, brachte den Mann aber umgehend zum Schweigen und wir rasten anschließend gen Süden.
Fazit:
Obwohl ein PB für mich heraussprang war das Fischen zeitweise sehr zäh und zeichnete sich vor allem durch sehr kurze Beißphasen, sowie haufenweise Fehlbisse und Nachläufer aus. Meiner Meinung macht sich hier die Überfischung des Sees klar bemerkbar, den Fischen fliegen täglich Massen von Kunstködern um die Ohren und sie sind dadurch äußerst vorsichtig und beißfaul. Ohne es wirklich beurteilen zu können glaube ich aber, dass sich die Überfischung zum Glück noch nicht wirklich im außergewöhnlich guten Bestand niederschlägt. Trotzdem hat es sehr viel Spass gemacht und ich freue mich, dass ich Jonas zumindest einigermaßen zum Fisch führen konnte, da es sein erster Aufenthalt am See war und ich gewissermaßen als Guide fungierte.
3 Kommentare zu “Edersee Mai 2010 – Eine schwere Geburt”
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Der Rutenköpper ist mal ne krasse Aktion! Für die Combo wäre ih auch gehüpft… aber mit Handy ;-) Petri zu Fischen!
Sehr lustige Story! Ich kann mir gut vorstellen wie Dein Kumpel gefeiert hat :-D!
Immer gut dich mit an Bord zu haben Kilian! :)
Toller Bericht, tolle Impressionen und natürlich tolle Fische! So kann es dann jetzt weitergehen. Hoffe am Ehrlichpond ging auch was!
Chris