Auf den Malediven zum angeln 2008 – Ein Traum in türkis
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Auf den Malediven zum angeln 2008 – Ein Traum in türkis
Die Enttäuschung allerdings blieb nicht lange, hatte ich doch soeben den besten Drill meines Lebens durchgestanden und diesen Moment kann mir nun kein Mensch auf dieser Erde je mehr nehmen.
Ich steige aus dem Flugzeug aus und betrete die Treppe, die auf das Rollfeld führt. Von rechts nehme ich noch beiläufig die Standardverabschiedung des Flugpersonals wahr, dann rieche ich es, das Meer. Zugleich schlägt mir eine schwüle Hitzewelle entgegen und der Schweiß beginnt langsam meine Stirn hinab zu rinnen.
Ich bin tatsächlich auf den Malediven und rundherum nichts als Meer, denn der Flughafen besteht hier nur aus einer schmalen Sanddüne inmitten des Indischen Ozeans. Noch ein Mal denke ich an die 2 Monate harte Arbeit bei einem Gartenlandschaftsbauer zurück, die nötig war, um mir diesen Traum zu ermöglichen.
Doch der Gedanke entschwindet so rasch wie er gekommen war. Denn jetzt heißt es so schnell wie möglich auf unser Boot kommen und 2 Wochen fischen, bis der Arzt kommt. Wie wörtlich dieser Satz zu nehmen war, sollte sich später noch zeigen.
Beim Beladen des Taxibootes, das uns zu unserem Dhoni bringen sollte, fiel mir sogleich das rege Treiben der Einheimischen auf, die hupenden Roller, der Menschenstrom, der sich keinesfalls hektisch, aber doch kontinuierlich durch die viel zu engen Gassen schob und das Chaos von an und ablegenden Booten. Überhaupt scheint die Hauptstadt Male an allen Enden überquellen zu wollen und jeder noch so kleine Winkel wird demnach genutzt. Langsam setzt sich das Taxiboot in Bewegung, schlängelt sich aus dem Hafen heraus und nimmt Kurs auf das Boot, welches für die nächsten 5 Tage unser zu Hause sein wird. Denn, wie wir leider erfuhren, musste unser eigentlich gebuchtes Fischerboot wegen eines Getriebeschadens erst repariert werden und wir solange mit eben diesem, eigentlich für Taucher ausgelegten Dhoni, vorlieb nehmen.
Dort angekommen, werden wir mit einem Kokosnussdrink herzlich empfangen und während wir unsere Kajüten beziehen und das Tackle zusammenklabüstern, fahren wir schon in Richtung Fanggründe. Es gilt nun erst Mal Strecke zu machen, da Erfahrungsgemäß im Dunstkreis der Hauptstadt nur wenig zu holen ist. Trotzdem werden immer mal wieder Stopps eingelegt und dann heißt es die zwischen 100 und 200g schweren Popper, Stickbaits und Longpencils mit recht hoher Geschwindigkeit an den Riffkanten zu präsentieren oder die 200 bis 400g schweren Jigs, immer wieder in einem Affenzahn, durchs Wasser zu peitschen.
Dabei wird mir schnell bewusst, dass beide Angelarten doch nicht unbedingt so einfach auszuüben sind, wie es am Anfang schien und diese Angelei nur sehr wenig mit derjenigen im Süßwasser oder der in Norwegen gemein hat. Und das ist nicht das einzige was ich falsch eingeschätzt hatte, denn leider wird am ersten Tag insgesamt sehr wenig gefangen und ich gehe sogar ganz leer aus. Womit mir wieder eindrucksvoll vor Augen gehalten wurde, dass selbst in einem absoluten Traumrevier wie diesem, auch mal schneidern angesagt sein kann.
Doch etwas enttäuscht, nehmen wir unser Abendmahl, unter anderem bestehend aus dem vor kurzem gefangenen Snapper, bei herrlicher Kulisse und wunderschöner Abendstimmung, an Deck ein. Da sich mittlerweile bei allen eine gewisse Müdigkeit breit macht, gehen wir in unsere Kojen und versuchen zu schlafen. Gleich in der ersten Nacht muss ich feststellen, dass es so etwas, wie einen erholsamen Schlaf, die 2 Wochen an Bord nicht geben wird. Die drückende Schwüle sorgt dafür, dass man binnen kurzer Zeit in einer Lache liegt und wenn man es dann doch ein Mal geschafft hat einzuschlafen, dröhnen um Punkt 6 Uhr zum Sonnenaufgang die Motoren des ablegenden Dhonis und der Dieselqualm zieht durch die viel zu kleinen Kojenfenster ins Innere. Naja, wir waren ja auch zum Angeln gekommen, „schlafen kann man auch zu Hause“, dachte ich mir.
Also raus aus den Federn und ab zum Frühstück. Nach gelungener Stärkung ging es wieder zum Poppern und Jiggen. Aber auch heute wollten die Fische überhaupt nicht so wie ich und außer ein paar Fehlattacken auf meine Popper passierte nicht viel. Das knabberte schon ein wenig an meinem Ego und auch die Tatsache, dass nur diejenigen wenigstens ein paar Schuppenträger auf die Planken legen konnten, die schon des Öfteren in solchen Revieren unterwegs waren, konnte mich nicht wirklich trösten.
Also übte ich verbissen an meiner Wurfweite und dem Führungsstil beim Poppern, sowie an meinen Jigbewegungen. Am 3. Tag war es dann endlich soweit, beim Poppern stieg mir ein kleiner Giant Trevally ein und sorgte für eine Menge Drillspass am „schweren Gerät“. Ja ihr habt richtig gelesen: „Klein, Drillspaß, schweres Gerät?“. Die Kampfkraft der Warmsalzwasserfische ist gigantisch und speziell die GT’s setzen noch mal einen drauf. Und wie das so ist wenn es mal klappt, folgte sogleich der nächste Strike. Wer mal mit Topwaterlures auf Rapfen gefischt hat, kann sich ungefähr ein Bild von den spektakulären Bissen machen, wenn sich die Wogen teilen und der vor Kraft nur so strotzende Körper eines GT’s hinter einem Popper auftaucht, schließlich ein riesiger Trichter entsteht und der über 20 cm lange Lure im Zahn besetzten Maul verschwindet. Der Unterschied zum Rapfenfischen ist, dass alles in mindestens doppelter Geschwindigkeit abläuft und man bei einem Biss und fast geschlossener Bremse der 10000- 20000er Stella fast über Bord fällt. Die Bremse muss äußerst hart eingestellt sein, damit die GT’s keine Chance haben sich im Riff festzusetzen und dort die Schnur an den rasiermesserscharfen Korallen durchzuscheuern. Hat man einen GT jedoch gelandet, verhält er sich meist sehr ruhig, wie als könnte er ahnen, dass es nun gilt auf dem Fangfoto besonders gut auszusehen. Was einem Unbedarften wie mir doch eine gewisse Überraschung ins Gesicht zauberte, war, dass an ein Schwein erinnernde Grunzen, welches ein an der Luft befindlicher GT in höchsten Tönen von sich gibt. So kam es nicht von ungefähr als an Board heiteres Gelächter ausbrach, nachdem ich etwas irritiert, bei der Präsentation meines ersten GT’s, drein blickte.
Immer wieder konnten wir so genannte „Bait Balls“ ausmachen, das sind Ansammlungen von Futterfischen, in deren unmittelbarer Nähe sich immer ein paar gute GT’s und Goldmakrelen aufhielten. Ein Mal entdeckten wir sogar mehrere Haie in der Nähe eines solchen Fischschwarms. Da ich zu diesem Zeitpunkt ganz vorne im Boot stand hatte ich den ersten Wurf. Der Stick-Bait landete perfekt im Zentrum der Kleinfische und wurde umgehend von 3 Dorados verfolgt. Eine der Goldmakrelen setzte immer wieder zur Attacke an, konnte den Lure aber nicht richtig fassen. Plötzlich tauchten zwei Haifinnen hinter meinem Köder auf und deren Besitzer zeigten ebenfalls Interesse an meinem Köder. Was für ein Anblick! Ich fühlte mich wie in „der alte Mann und das Meer“ und so war es auch nicht weiter schlimm, dass die Räuber die Verfolgung abbrachen, als da Boot in ihr Sichtfeld geriet.
Am 5. Tag ging es dann wieder zurück nach Male, um der Stadt einen Besuch abzustatten und endlich unser richtiges Angeldhoni zu beziehen. Dem ansässigen Tackledealer wurde ein Besuch zuteil, an den er sich wegen des guten Umsatzes wohl noch lange zurückerinnern wird und der hiesige Fischmarkt wurde in Augenschein genommen. Danach wechselten wir zu aller Freude unser Boot. Zur Freude aller deshalb, weil die Besatzung des Tauchbootes leider sehr wenig vom Angeln verstand. Immer wieder wurden bei der Landung schöne Fische verloren, das Riff falsch angesteuert oder an Plätzen zum Jiggen angehalten, an denen man die komplette Schnur der Stella hätte ablaufen lassen können, ohne jemals den Boden zu berühren. Wie um unseren Eindruck zu bestätigen, hatten diese dreisten Gauner unseren kompletten tiefgefrorenen Fisch verhökert, während wir in der Stadt gewesen waren. Rasch wurden unsere Sachen umgeladen und schon ging es wieder mit neuer Hoffnung in Richtung Fanggründe.
Während der Fahrt wurde wieder munter geschleppt und endlich konnten, dank der mehr vorhandenen Rutenhalter, bis zu 6 Köder ihre Bahnen im Schraubenwasser ziehen. Während des ganzen Urlaubs überlisteten wir kaum Fische beim Schleppen, was sehr ungewöhnlich für maledivische Verhältnisse sein solle, wie mir mitgeteilt wurde. Lediglich 2 Barrakudas und ein kleiner Dogtooth-Tuna waren die sehr bescheidene Ausbeute. Zudem gab es noch eine Sailattacke auf einen unserer Lures, sowie ein paar Fehlbisse. Beim Poppern und Jiggen hatten wir wenigstens des öfteren Fischkontakt. Jedoch die mit Abstand erfolgreichste Angelei sollte nachts unter dem verankerten Boot stattfinden. Dazu wurde meist auf einem Plateau geankert, an dem der Meeresboden steil abfiel. Große Scheinwerfer am Heck des Bootes erleuchteten das Meer, was dazu führte, dass das Wasser um das Boot herum innerhalb kurzer Zeit, regelrecht vor Fisch kochte. Manchmal vergaß ich sogar das Angeln, so faszinierend waren die verschiedenen Lebewesen, die sich im Wasser tummelten. Man konnte kleine Krebse, Tintenfische, Kraken, diverse Kleinfische in allen Farben, Nadelfische, fliegende Fische, giftige Seeschlangen, Schiffshalterfische und vieles mehr beobachten. Gefischt haben wir mit Jigs, Köfi an der Luftballonmontage oder mit Grundblei. Gefangen haben wir GT’s, viele Barakudas, Bigeye-Trevallys, Red Snapper, Dogtooth-Tunas und einige Weißspitzenriffhaie bis ca. 1,80m.
Generell hatten wir auch am Tage sehr viele Haikontakte und so kam etwa jeder 10. Fisch angeknabbert nach oben. Besonders erstaunt hat mich dabei die unwahrscheinliche Präzision, Beißkraft und Schnelligkeit der Haie. Das einzige was man von einer Attacke mitbekam war, dass plötzlich einfach jegliche Gegenwehr des Kontrahenten jäh erstarb, man merkte keinen größeren Widerstand, kein Ruckeln in der Rute, einfach nichts und dann kam nach einigem Kurbeln meist nur noch der perfekt abgetrennte Kopf des Fisches nach oben. Bei meinen nächtlichen Schwimmaktionen, um mich etwas vor dem Schlafengehen abzukühlen, war mir schon ein wenig mulmig zu mute, weswegen ich diese Ausflüge dann auch bald unterließ. Noch ein Phänomen sei kurz an dieser Stelle erwähnt. Dogtooth-Tunas, Barakudas und Wahoos sind ohne weiteres in der Lage 1,5 mm starkes Fluorocarbon durchzubeißen und selbst dünne Stahlvorfächer werden ohne größere Probleme gekappt. Als sich ein paar kleine Barakudas eines Nachts beim Speedjiggen einen Jux daraus machten meine geflochtene Hauptschnur fünf mal hintereinander, trotz eines extra langen Stahlvorfachs, einfach irgendwo mitten drin durchzusäbeln, war ich kurz davor mein gesamtes Zeug ins Meer zu werfen und auf der Stelle schlafen zu gehen. Selbst die dicksten Drillinge, die man kaum mit zwei Zangen verbogen bekommt, wurden manchmal einfach gerade gezogen und massive 400g Jigs kamen nach einem Dogtooth-Tuna Biss, krumm wie eine Banane nach oben. Sämtliche Popper, konnte man nach ca. 10 Fischen einfach nicht mehr benutzen, da die dicke, durchgehende Stahlachse krumm gebogen und das Holz stark abgenagt war. Im Großen und Ganzen also eine riesige Materialschlacht, bei der sich das Beste als gerade gut genug erwies und wir hatten es noch nicht ein Mal mit richtig kapitalen Flossenträgern zu tun. In der zweiten Woche legten wir des Öfteren Stopps an diversen Inseln ein, um dort zu schwimmen, zu schnorcheln und Kokosnüsse zu futtern, die man von den reichlich vorhandenen Palmen pflücken oder am Boden auflesen konnte. Um unsere Obst und Gemüse Vorräte aufzufüllen, besichtigten wir ebenfalls eine bewohnte Insel, auf welcher ein wenig Landwirtschaft betrieben wurde. Die Bauern empfingen uns mit frisch gepflückten Papayas und Wassermelonen, deren Geschmack nicht im Geringsten mit den unreifen Gurken aus unseren Supermarktregalen zu vergleichen ist.
Die letzten paar Tage, bekam ich, wie ich zu Beginn des Berichts schon angedeutet habe, extreme Gelenkschmerzen an Hand und Ellebogen, zudem hatte ich mir ein wenig Sonnenbrand eingefangen und ständige Kopfschmerzen machten sich breit. Mir dämmerte so langsam, dass ich es wohl etwas übertrieben hatte und wohl besser einen Gang zurückschalten sollte, denn offenbar hatte die ständige Hitze, der große Flüssigkeitsverlust, verbunden mit zu geringer Wasseraufnahme, der Schlafmangel und die Kräfte zehrenden Drills, ihren Tribut gefordert. Ehrlich gesagt ging es mir hundsmiserabel und angelverrückt wie ich bin, hab ich mir lediglich eine Aspirin eingeworfen und dann munter weiter gefischt. Im Nachhinein betrachtet war das wohl schlicht und ergreifend dumm, doch zum Glück verflüchtigten sich die Schmerzen nach einer Woche in Deutschland wieder. Wer sich jetzt gerade frägt, warum ich das hier erwähne, dem sei gesagt, dass ich lediglich mit dem Vorurteil des langweilig herumsitzenden Plumsgerätusers aufräumen möchte. Angeln kann sehr wohl Sport sein und man kann sogar an den Rande seines Leistungsvermögens gehen, was selbst ich ehrlich gesagt nicht wirklich für möglich gehalten hatte. Da ich über das Erlebte wohl ein Buch schreiben könnte, möchte ich im Folgenden lediglich 2 Erlebnisse näher schildern, die mir am besten in Erinnerung geblieben sind.
Ich stehe mal wieder am Heck des Bootes mit meiner Lightcombo, für hiesige Verhältnisse jedenfalls, bestehend aus einer 50-100g Wg Speedmaster und einer 4000er Stella FD. Wie jeden Abend versuche ich mit kleinen ca. 60g schweren Jigs ein paar kleinere Bonitos oder Barakudas zum Haifischen zu fangen. Doch heute steht ein Schwarm ca. 3 bis 4kg schwerer Bigey-Trevallys unter dem verankerten Boot und bei jedem Ablassen erfolgt schon nach kurzer Zeit ein Strike, gefolgt von einer Flucht bei der ca. 50 m Schnur von der Rolle fliegen. Die Fische geben sich meist erst nach mehreren Fluchten geschlagen und die Stella fühlt sich ganz in ihrem Element. Einfach unglaublich was diese kleinen Fische an Kraft und vor allem Geschwindigkeit an den Tag legen. Nach dem 20. Fisch an diesem Abend, die Arme sind schon müde, die Augen am Zufallen, gibt es wieder einen schönen Einschlag in der Rute. Alles läuft ganz normal ab, die Bremse sirrt, das Grinsen erscheint wieder auf dem Gesicht und der Schlaf ist für kurze Zeit wie weggeblasen. Der Gedanke, dass ich eigentlich schon nach dem 10. Fisch den letzten für heute Nacht auf die Planken legen wollte, wieder erfolgreich verdrängt. Diesmal stimmt allerdings irgendetwas mit meinem Kontrahenten am anderen Ende so ganz und gar nicht. Die ersten 50 m sind schon raus und ich warte auf das baldige Ende der Flucht.
Plötzlich peitschen die nächsten 50 m in wenigen Augenblicken von der Spule und so langsam erwache ich aus meiner Lethargie. Der Fisch nimmt immer mehr Fahrt auf und denkt nicht im Geringsten daran seine Geschwindigkeit zu drosseln, das Grinsen weicht so langsam einem Erstaunen und die Alarmglocken läuten, denn der Unbekannte zieht nun auch noch unters Boot, in Richtung Schraube. Jetzt heißt es alles oder nichts und ich schließe die Bremse soweit, wie ich es der 17er Geflochtenen noch gerade so zutraue. Als auch das nichts hilft und die nächsten 70 Meter von der Rolle geflutscht sind wie nichts, bremse ich zusätzlich noch mit der Hand auf der Spule. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich alsbald herausstellen sollte. Nun wurde ich von dem Phänomen überrascht, welches ich zumeist als dummes Geschwätz oder Anglerlatein abgetan hatte. Die Stella war mittlerweile so heiß geworden, dass ich mir doch tatsächliche derbste Brandwunden an meiner linken Hand zuzog. Als ich daraufhin reflexartig meine Hand wegzog, legte der Fisch noch mal an Geschwindigkeit zu und ich begann sichtlich zu verzweifeln, denn so etwas war mir in meiner Anglerlaufbahn noch nie untergekommen. Dann endlich, nach einer gefühlten Stunde, stoppte der Fisch kurz bevor die 250m komplett abgelaufen waren. Ich schöpfte neue Hoffnung und pumpte den Fisch vorsichtig nach oben. Meter für Meter, spulte ich die Schnur zurück auf die Rolle. Plötzlich das Unfassbare, der Widerstand ist weg, die Schnur gerissen. Die Enttäuschung allerdings blieb nicht lange, hatte ich doch soeben den besten Drill meines Lebens durchgestanden und diesen Moment kann mir nun kein Mensch auf dieser Erde je mehr nehmen. Immer wenn es beim Fischen gerade nicht so läuft, die Lernerei mal wieder Überhand nimmt oder die langweiligen Süßwasserfische keinen Bock zum schwimmen verspüren, denke ich gerne zurück und das anfängliche Grinsen erscheint wieder auf meinem Gesicht. Die spätere Inspektion der Stella ergab schließlich, dass das Schnurlaufröllchen ein bisschen wackelte und die Bremsscheiben total durchgeglüht waren, aber ansonsten war alles heil geblieben.
Und meine Gedanken schweifen weiter zum nächsten Erlebnis:
Nachdem das Dhoni verankert ist, begeben wir uns auf die kurze Fahrt mit dem Beiboot durch das herrlich türkisfarbene Wasser, in Richtung einer verlassenen Insel. Lediglich der Krach des Motors stört ein wenig die Idylle, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. An der Spitze der mit Kokospalmen und diversen anderen Büschen bestandenen Insel, erstreckt sich eine weitläufige flache Sanddüne parallel zu dem in hundert Meter Entfernung befindlichen Außenriff. Dazwischen fließt eine Art natürlicher Kanal mit glasklarem Wasser und einer Tiefe von ca. einem Meter. Wir legen an der Sanddüne an und befischen erst die Bonefische, die es hier in Massen am Grunde des flachen Kanals gibt, mit kleinen Gufis. Die hundert Gramm Rute scheint hier etwas fehl am Platz, aber leider ist es die einzige noch halbwegs dafür geeignete Rute an Bord. Leider kommt es wie es kommen muss und die kleinen Barakudas sind mal wieder schneller als jeder andere Flossenträger. Innerhalb kürzester Zeit sind alle vorhandene Gufis abgebissen oder zerstückelt und das Projekt Bonefisch damit gestorben. Also schnappe ich mir einen kleineren Popper und mache mich auf den Weg zum Außenriff. Dort angelangt watschle ich auf dem glitschigen, von der Brandung ganz glatt geschliffenen Fels entlang und wusch, schon bin ich nass von oben bis unten. Da hatte ich doch glatt die Wucht und Höhe der Wellen unterschätzt und wäre um ein Haar mit samt Kombo baden gegangen. „Naja“, denke ich mir, „jetzt ist die Stella sowieso nass“, also stelle ich mich noch etwas weiter in die rauschende Gischt. Es ist nicht leicht bei den ständig anrollenden Wellen, die Kontrolle über sich und das Gerät zu behalten, jedoch macht es einen Heidenspaß. Plötzlich schwebt in der Welle rechts von mir ein gigantischer Rochen vorbei. Sichtlich erstaunt, dass diese Viecher sich auch hier im Flachwasser herumtreiben, werfe ich erneut aus. Von Weitem kann ich schon erkennen, dass ein paar blaue Lichtblitze hinter meinem Popper hinterher jagen, leider kann sich keiner der Bluefin-Trevallys spontan für meinen Popper entscheiden. Ich gebe die Fische schon verloren, als im letzten Moment der größte Bluefin der Gruppe durch die Welle hindurch schießt und den, vom Wellenberg im Fallen begriffenen, Lure direkt vor meinen Füßen schnappt.
Noch leicht geschockt nehme ich den Kampf auf und muss dabei, ob der scharfen Kanten des Riffs, die Rute sehr weit oben halten, was den Druck auf meinen Arm noch weiter erhöht. Der Fisch nimmt gut Schnur und schießt kreuz und quer in der Brandung umher, was mich teilweise zum mitlaufen auf dem rutschigen Untergrund zwingt. Nach ca. 5 Minuten kommt er zum ersten Mal in meine Nähe und ich greife beherzt an der Schwanzflosse zu. Sofort schießt ein beißender Schmerz durch meinen Arm und mach mir deutlich, warum dieser Fisch zu der Familie der Stachelmakrelen gehört. Leider habe ich keinen Handschuh dabei, also kneife ich die Zähne zusammen und trage den Fisch schnell zurück zum Strand. Dort angekommen werden schnell ein paar Fotos geschossen und der Fisch wieder schonend in sein Element entlassen. Diese Art der Fischerei hat mir am meisten Spaß gemacht und so füge ich mich nur widerwillig als es zurück zum Boot geht.
Fazit:
Allein die Natur auf dem Malediven ist es Wert dieser Inselgruppe einen Besuch abzustatten, auch wenn man sich im Klaren sein muss, dass die Malediven an sich mehr aus Wasser bestehen, denn aus Land. Die Inseln sind meist sehr klein und alle ziemlich flach. Die Fischerei war bei meiner Tour eine der schlechtesten, die die Besatzung je erlebt hatte, was wohlmöglich an einem, kurz vor unserer Reise aufgetretenen, kleinen Tsunami lag. Dieser färbte das Wasser etwas grünlich, was die größeren Fische laut Kapitän veranlasst hatte, weiter aufs offene Meer zu ziehen. Dessen ungeachtet war diese Art der Fischerei ein total neues, begeisterndes Erlebnis für mich und hat meinen anglerischen Horizont deutlich erweitert. Neben den oben schon erwähnten Fischarten, konnten wir auch wunderschöne bunte Grouper und sogar eine Muräne und einen Stachelrochen überlisten. Wer auch mal eine solche Reise ins Auge fasst, sollte sich bewusst sein, dass einem später jeder Süßwasserfisch, wie eine lahme Schnecke vorkommt und man sich immer wieder nach den absolut geilen Drills zurück sehnen wird. Ich für meinen Teil jedenfalls bin süchtig geworden und werde, sobald die Finanzen es wieder zulassen, zurückkommen. Lediglich werde ich dann einen Angel- mit einem Tauchurlaub kombinieren, da man sich so, wunderbar vom Angelstress erholen kann und die Unterwasserwelt dort seinesgleichen sucht. Zum Schluss bleibt zu erwähnen, dass sich die Malediven langsam zu einem Massentourismusziel entwickeln. Neben den unzähligen Touristen, macht sich das vor allem an den wie Pilze aus dem Boden sprießenden Hotelanlagen bemerkbar. Immer mehr Einheimisch werden auf immer wenigeren Inseln angesiedelt und die Bestände um die Hotelanlagen herum sind oft schon absolut platt gefischt. Allerdings hat der Tourismus auch seine positiven Seiten, so entstehen allmählich weitere Müllverbrennungsanlagen und die schier endlos anmuteten Müllteppiche auf dem Meer nehmen deutlich ab. Bleibt zu hoffen, dass sich die Regierung um einen Tourismus, möglichst im Einklang mit der Natur bemüht und so der Traum des türkis-blauen Wassers mit den Palmenbestandenen, grell weißen Stränden auch für nachfolgende Generationen erhalten bleibt.
8 Kommentare zu “Auf den Malediven zum angeln 2008 – Ein Traum in türkis”
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Wahnsinn Killian!
Unglaublich gut geschriebener Artikel! Man kann sich richtig in deine Drills und dein Erlebtes hinein versetzen. Danke das du dir die Zeit und Mühe gemacht hast uns daran teilhaben zu lassen!
Wünsch dir viel Erfolg bei der Umsetzung des nächsten Trips zu den Malediven!
Absolute erste Sahne. Ich verspüre das starke Gefühl da hin zu müssen.
Die Dom Driver mal fordern :)
Chris
Super toller Bericht! Du hast einen sehr guten Schreibstil und Du solltest das Buch tatsächlich schreiben!
Da die Zanderfischerei schon Großinvestitionen bei mir ausgelöst haben, lasse ich vorerst ein reales Nachempfinden Deiner Erlebnisse lieber sein! Ich beneide Dich um die tolle Zeit!
TL
KMB
Fein, fein – dass macht auf jeden Fall Lust auf mehr.
Willkommen an Board und Daumen hoch zum gelungenen Artikel. Mehr davon!
Großartiger Bericht, Kilian! Sehr interessant geschrieben!
Sehr geiler Bericht!
Da hat man echt Lust auf wärme und Sommer… brrr!
Hopp Chris, dann mach nen Sponsor (z.B. Deps) klar und lass uns hinfliegen. Können das Ganze ja dann unter “Tackle-Härtetest” laufen lassen. Ich schreib dann auch nen guten Bericht im Anschluss und du kannst mich ja denn mit den dicken Fischen ablichten ;).